Manafonistas

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Wer hat sich noch nicht bei Türkisch für Anfänger amüsiert? Oder wenn der christliche oder muslimische Schwiegersohn ein aufwendiges Frühstück für die jüdische Familie bereitet und vergessen hat dass Sabbat ist? Oder der jüdische Schwiegersohn nicht an den Ramadan gedacht hat? Oder der deutsche Schwiegersohn vor der griechischen Familie die Hochzeitsrede auf griechisch vorliest die ihm sein Schwager netterweise aufgeschrieben hat und die Hochzeitsgesellschaft dadurch erfährt dass er drei Eier hat. Irgendwie triffts oft die Schwiegersöhne, habe ich den Eindruck, die sind natürlich prädestiniert als Konfliktträger und ausserirdische Eindringlinge die den traditionsbewussten Familien ihr Wertvollstes rauben und in einen anderen und sicher verderblichen Kosmos überführen wollen, da lässt sich trefflich erzählen und Situationskomik rüberbringen – das ist mittlerweile ein so festes Muster wie im Grimmschen Märchenbuch und langsam ein Stereotyp. Die Damen sehen alle gnadenlos gut aus, die Kinder sind süss und frech und vor allem viele, die Herren leicht cholerisch, die Wohnungen überfüllt, ständig wird gekocht und der Tisch biegt sich unter mannigfaltigen arabischen oder osteuropäischen Leckereien und alle tanzen gern und gut, sogar die Männer. Somit nutzen diese Filme viele Vorurteile und Klischees, und betonen zunächst Unterschiede und brauen damit Sprengstoff dessen Entladung befürchtet wird und auch bald geräuschvoll erfolgt aber nie wirklich jemanden verletzt – feelgood-movies eben – und am Ende hat jeder seine Lektion gelernt und alle vertragen sich wieder – und es erscheint auch nicht der Shakespeare’sche Narr und ermahnt sich jetzt wieder der so ganz anderen Realität zuzuwenden. Im Mainstream-Kino funktionieren solche Komödien oft als sanfte, unverbindliche Appelle an die Toleranz und Mitmenschlichkeit in dem der Zuschauer zusehends das Gefühl bekommt die gezeigten Konflikte seien eher ubiquitär und in der gleichen Kultur genauso beheimatet, kurz gesagt: Die anderen stellen sich genauso blöd an wie wir eben auch ( ohne einen oder mehrere die sich blöd anstellen gäbe es sowieso gar keine Komik und keine Komödie ). Ihre Grenzen haben sie dort wo sie oberflächlich bleiben, etwa wenn echte gesellschaftliche Konflikte und Bruchlinien durch Humor einfach überzuckert werden, wenn kulturelle Identität auf Klischees reduziert wird. Und wenn nicht jeder über jeden lachen kann sondern nur eine Partei zum Boxsack wird. In einem Drama muss ein Konflikt groß sein. In einer Komödie darf er sich verkleiden. „LeichteUnterhaltung“ ist auch oft ein Seismograf für das was eine Geellschaft meist unbewusst beschäftigt: Culture-Clash-Komödien sind deshalb oft aufschlussreich. Sie beantworten – meist unbewusst – Fragen wie: Welche kulturellen Unterschiede gelten als harmlos und witzig? Worüber darf gelacht werden, ohne dass das Publikum aussteigt? Funktion einer solchen Komödie könnte sein, Unterschiede „verdaulich“ zu machen. Der Zuschauer darf über kulturelle Missverständnisse lachen und erlebt dabei idealerweise, dass die Fremden am Ende gar nicht so fremd sind. Das schafft Identifikation und entschärft Ängste – oder bestätigt im ungünstigeren Fall Klischees, wenn der Film sich mit Stereotypen begnügt. Wer lacht eigentlich über wen? Welche gehemmten Gefühle werden durch den Witz freigesetzt? Brauchen wir dieses Mass an hier gelieferter Harmonisierung um uns in unserer Multikultigesellschaft wohlzufühlen? Dient der Humor der Versöhnung – oder erlaubt er nur, Vorurteile straffrei auszusprechen? Spart der Witz psychische Energie, weil Konflikte nicht ernsthaft ausgetragen werden müssen? Das erinnert mich übrigens an den Begriff des Übergangsraums bei Donald Winnicott. Ein Film kann zu einem kulturellen Übergangsraum werden: Das Publikum spielt für zwei Stunden mit dem Fremden, ohne sich bedroht zu fühlen. Man probiert eine andere Perspektive aus und kehrt anschließend in den eigenen Alltag zurück – hoffentlich mit etwas weniger Distanz. Konsens für alle: Solche Filme funktionieren oft im selben Maße für liberale wie für reaktionäre Zuschauer, weil sie jede echte politische Schärfe verlieren; ob AfD- Wähler so etwas gucken habe ich leider nicht herausbekommen. Beim Kassenknüller M. Claude und seine Töchter wird sich am Ende auch ein reaktionäres Publikum gefahrlos amüsieren, weil die zugrundeliegenden Machtverhältnisse unangetastet bleiben.

 

 

Auf jeden Fall müssen sie political correctness pflegen. Correctness  – diese ist selbst schon wieder ein Filmthema, nicht allein in Satiren und Klamotten. In der Doku Has Political Correctness Gone Mad? (2017) stellt Trevor Phillips die These auf, dass der Correctness-Wahn der Liberalen, die Suche nach safe spaces in einer überachtsamen Sprache, schuld an der militanten Gegenbewegung der Rechten sei und den Boden bereite für die Populisten, die Trumps und Le Pens, den Brexit und die Leugnung des Klimawandels. PC will eat itself. Somit wären diese Komödien nicht wirklich integrativ sondern sogar kontraproduktiv.

Ein kleiner Rückblick: In den Jahren nach dem Krieg hatten die Deutschen verständlicherweise Probleme sich dem Fremden wieder zuzuwenden nachdem sie jahrelang alles diffamiert, unterworfen und millionenfach getötet hatten was sie als fremd definierten. Während die Kriegsgeneration sich innerhalb ihrer vorgegebenen Grenzen zu verschanzen versuchte wurde sie vom „Feind“ regiert, dessen Kultur ins Land drang und die Jugend drängte vehement nach draussen. Culture Clash Comedies gab es damals nicht, Darstellungen des Fremden waren geschönt und exotisiert – das Fremde musste schön sein wenn es schon fremd war, am besten noch erotisch, Aufregung und Abwechslung versprechend – dann überlegen wir uns das vielleicht noch. Und keinesfalls darf es am Tisch mitessen.

 

 

                                                        

 

Und so funktionalisierte man das was man immer gern funktionalisierte um etwas zu erreichen:  Den Körper der Frau!

 

 

 

 

This entry was posted on Samstag, 8. August 2026 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

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