Aus der Rubrik Fluchtgedanken und Gedankenflüge hier kurz skizziert: Eines der aktuell durchaus spannenden Themen ist ja die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, kurz KI genannt. Unsereins fragt sich, was denn das wäre, was davon unterschieden bleibt: also die Differenz, das nicht Eingemeindete, das ausserhalb mathematisch-statistischer Prognosen, Algorithmen und Patchwork-Diebstahl stehende. Hier fallen mir einige Autoren ein, deren Sprachstil mich stark beeinflusst haben. Da wäre zunächst Dietmar Kamper zu nennen, dessen gedankliche Herangehensweise als „tentativ“ bezeichnet wurde: Dinge umkreisend, sich behutsam herantastend, grossenteils vielleicht auch unüberprüfbar bleiben, etwas offen lassen. Das waren keine Klartexte, vielmehr vermischte sich Poesie mit geisteswissenschaftlicher Betrachtungsweise. Ein anderer Autor, an den ich gerne zurückdenke, ist Michel Serres. Sein Buch Die fünf Sinne war ein Meilenstein. Man könnte sagen, die menschliche Existenz wurde hier völlig jenseits von Sigmund Freud oder anderen Seelen-Introspektionen geschildert. Es ging um Seefahrer, Mathematik, Steine zertrümmern, Querfeldein laufen, die Stille suchen. Auch viele Autoren, die Aphorismen verwendeten, zählen zu dieser Liga. Den anarchischen Sprachwitz eines Emile Cioran wird niemals eine Rechenmachine erreichen können. Vielleicht könnte man sagen, die KI zeigt uns, was wirklich zählt: ausserhalb ihrer zu sein – oder wie es der tschechische Schriftsteller Milan Kundera („Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“) einst sagte: das Leben ist anderswo.