Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2022 29 Apr

Das nächste manafonistische Rätsel

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 17 Comments

Als ich ein junger Hippie war, und, fünf Jahre vor Willie Nelsons „Stardust“ (das ich erstmals 2013 hörte), und zehn Jahre vor Brian Enos „Apollo“ (das ich am Tage des Erscheinens hörte und mich in den Himmel transportierte, s. Foto) zur Zeit des Abiturs meinen Berufsträumen auf die Sprünge half, hatte ich zuhause kleine orange-weisse Hochglanzbroschüren liegen, die mir etwas erzählten über meine brainstormartig zusammengewürfelten Fantasien: vier Heftchen dabei über Archäologie, Astronomie (mhmmm, war Astronomie wirklich dabei? In Mathe war ich so schlecht und mit Astrologie habe ich das nicht verwechselt), Anthropologie, und Ethnologie! Nachdem ich mir also eine Zeitlang sehr gut darin gefiel, in ferner Zukunft Göttern, Gräbern und Gelehrten nachzuspüren, und a la Indiana Jones (natürlich, etwas realistischer) in fernen Erdwinkeln an Ausgrabungen teilzunehmen (ich hatte den einen und anderen Klassiker gelesen, und sowieso genug Jules Verne), fing ich an mit dem, was sowieso meine ersten Einfälle waren, mit Germanistik, Anglistik und Philosophie – und landete schliesslich in der Psychologie.

 

 

Meine gesammelten Berufsideen, naheliegend oder exotisch, haben eines geneinsam: die Lust, ein Detektiv zu sein, im weiteren Sinne. WIR SIND ALLE DETEKTIVE. Und hiermit sind wir beim nächsten manafonistischen Rätsel angelangt. Zu gewinnen gibt es nichts, weil die Antwort leicht zu googeln ist. Und, bitte nicht googeln, das Raten macht mehr Spass.

 

Die Frage lautet: von  wem stammt der folgende Text?

 

Würde es einen Preis geben, wäre dieser eines der folgenden Kunstwerke: Father John Mistys  „Chloe and The Next 20th Century“, oder, in schöner Digipak-CD-Fassung „Revolver“ von den Beatles, oder die deutsche Übersetzung von David Mitchells „Utopia Avenue“. Drei Werke, drei Zeitreisen, und in gewisser, assoziativer  Weise, durchaus verbandelt mit dem Text.

Da es aber nun keinen Preis gibt, kann das Spiel aus purer Lust am Spiel, und ohne Schlaumeierei, und doofes Nachschlagen, gespielt werden. Hast du das Lied vielleicht schon mal gehört?  Von  welchem Barden? Vielleicht jenes amerikanische Duo? Basiert es auf einem Traditional? Oder dieser schottische Ur-Hippie? Ist es eines dieser postmodernen Gedichte, die in aller Schlichtheit und im  Geiste der Romantik daherkommen? Vielleicht aus einer Anthologie der Lyrik der 70er Jahre? Hat Peter Hammill diesen Text mal vertont, allein am Klavier? Oder sind das falsche Fährten? Man kann zum langsamen Lesen des Textes auch gut sphärische Musik laufen lassen, aus der Ecke von Klaus Schulze oder Tangerine Dream. Oder sich vorstellen, wie die Zeilen aus dem Mund von Marianne Faithfull klingen. Einfach hier einen comment hinterlassen, keine mails schicken. 


every night i scan  

the heavens with my eyes  
seeking the star   
that you are contemplating.

i question  travelers     
from the four corners of the earth   
hoping to meet one    
who has breathed your fragrance.

when the wind blows    
i make sure it blows in my face   
the breeze might bring me    
news of you.

i wander over roads  
without aim, without purpose.   
perhaps a song    
will sound your name.

secretly i study    
every face i see   
hoping against hope   
to glimpse a trace of your beauty.

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17 Comments

  1. Lajla:

    Robert Burns? Slantje😊

  2. Michael Engelbrecht:

    Nein, Robert B ist es nicht. Könnte gut passen, anmutungsmässig, zu deinen Traveler Poems …

  3. Susanne L.:

    Aus dem Bauch geraten, Nick Drake. Auf jeden Fall habe ich jetzt Lust, Pink Moon aufzulegen, die Platte.

  4. Michael Engelbrecht:

    Nope. Wäre mir wohl auch in den Sinn gekommen…

  5. Olaf Westfeld:

    Nick Cave oder Van Morrison sind es auch nicht,…?

  6. Michael Engelbrecht:

    Nein.

    Bitte nicht nachschauen, und dann schreiben: ach ja, ach so, alles wird umso spannender aufgelöst… einfach weiter raten … es liegt keinem auf der Zunge? …

  7. Martina Weber:

    Eher um es zu versuchen: Elisabeth Bishop?

  8. Lajla:

    Leonhard Cohen singt es mit / für Marianne Faithfull

  9. Michael Engelbrecht:

    Weiter, immer weiter …

  10. Ursula Mayr:

    Ein arabischer Dichter den man sich schwer merken kann….

  11. Martina Weber:

    Um mal analytisch ranzugehen. Es gibt unreine Endreime, z.B. „see“ – „beauty“. Das spricht dafür, dass das Gedicht oder der Songtext eher moderner ist, auch der unregelmäßige Rhythmus. Allerdings kenne ich mich nicht mit der Verwendung unreiner Reime in der angloamerikanischen Lyriktradition aus. Das Verb „scan“ wirkt auf uns modern, kann aber auch schon älter sein. Es ist ein sehr berührendes, wundervolles Liebesgedicht. Es hat etwas Zeitloses und in seiner Schlichtheit etwas Traditionelles. Ich würde sagen, es ist eher älter.

  12. Michael Engelbrecht:

    @ Ursula:

    Da hast du aber geguckt, und gleich wieder den Namen vergessen, gell? 😉

    @ Martina: und wieviel älter es ist😉!

    Das Gedicht, wenn es ein Gedicht ist, stammt von Abu Bakr al-Turtushi, der von 1059 bis 1126 oder 1127 lebte.

    Es findet sich auf der zauberhaften neuen CD von Jon Balke / Siwan, die HAFLA heisst.

    Gut möglich, dass ich diesen Song am 5. Mai abends in den JazzFacts spiele. Da würde er erklingen in der Version von Mona Boutchebak.

    Im Booklet sind die Texte im arabischen Original und englischer Übersetzung wiedergegeben.

  13. Michael Engelbrecht:

    Geoff Andrew bemerkt zu dem Album:

    Geoff Andrew bemerkt dazu:

    Norwegian pianist Jon Balke has worked in many different formats; one of the most rewarding has been his band Siwan. ‘Hafla’ is the third album to feature the outfit, and as before Balke’s compositions combine a beautifully imaginative blend of musical influences, including European baroque music, North African, Middle Eastern and Persian music, and polyrhythmic percussion. The 15-strong international outfit includes Algerian singer Mona Boutchebak – the songs in the suite are settings of poems by Wallada bint al-Mustakfi and Ibn Zaydun, lovers in 11th-century al-Andalus – but what really distinguishes this album are the rich, sensuous, sumptuously detailed and constantly shifting orchestral colours.

  14. Michael Engelbrecht:

    Natürlich wurden ein paar Suggesstionen in meinem Text eingestreut, die einen bestimmten Exhoraum haben.

    Und es ist eine Übersetzung, die auf Ornamente und Schnickschnack verzichtet. Keine Ahnung, wie die Verse klanglich harmonieren, mit oder ohne Reimstruktur.

    Auf jeden Fall erstaunlich modern in der Anmutung …

    Auf dem ersten Siwan-Album wirkte Jon Hassell auf einigen Stücken mit, und das Album war mein ständiger Begleiter damals auf Lanzarote, ein kurzes Zitat – mit einem weiteren uralten Gedicht:

    „Als ich mit dem Wagen in El Golfo angekommen war – zuende gehört hatte ich die Musik an diesen berüchtigten Vulkanklippen der Westküste Lanzarotes, deren Name mir gerade entfallen ist – nahm ich Platz im Fischrestaurant meines Vertrauens. Und dann passierte einer dieser sonderbaren Zufälle, wenn man die richtige Musik zur richtigen Zeit am richtigen Ort hört: ich las die beiliegenden Texte von SIWAN (die sowohl arabisch abgedruckt sind – viel Spass beim Volkshochschulkurs! – als auch auf englisch) und musste so sehr schmunzeln:

    “ A serene evening
    We spent it drinking wine.
    The sun, going down,
    Lays its cheek against the earth, to rest … „

    Nun, ich war allein, aber ein Glas Wein stand auf meinem Tisch, und die Sonne bereitete sich gerade auf ihren first-class-„westcoast“-Untergang vor. Ich blieb, bis es kühl wurde, stieg ins Auto und schob SIWAN erneut ein. (Mai 2011)

  15. Martina Weber:

    Das ist aber schon eine sehr besondere Herausforderung, bei einer Übersetzung auf den Autor, die Autorin zu kommen …

  16. Michael Engelbrecht:

    Ja, natürlich ist das eine sehr besondere Herausforderung aber schon in meinem Teaser habe ich die Möglichkeit falscher Fährten ausgelegt. Wir sind ja hier auch ein Kreis Hochbegabter 😂

    Also, wenn du mir Cohen auf deutsch hinlegst, komme ich sofort auf das Original.

    Hier ist der Trick, dass man 1000 Jahre in der Zeit zurückgehen muss…

    Auf die Zeit zu kommen, ist ja genauso schwierig hier, wie auf den Autor zu kommen …

    Das klingt doch dermassen modern, dass ich schon befürchtete, Jo würde wegen Copyright und so den Text entfernen:)

  17. Jochen:

    Apropos Copyright: ich hatte meinen Euphoria-Text mit 3 selbst gewählten Filmausschnitten bebildert.

    Ist aber nicht erlaubt, schade – ich nahm sie wieder raus.

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