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2021 27 Aug

Gute Nachrichten von Andrew

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | Tags: , 1 Comment

 
 

In sechs Jahrzehnten spielte dieser weise alte Mann des Trommelns mit so unterschiedlichen Meister*innen wie Coleman Hawkins, Carla Bley und Cecil Taylor. In seiner Spielweise geht es ihm dabei nicht zuletzt um – Reduktion. Zuhören und Reduktion. Cyrilles verborgene Handpräsenz zeigt sich in „taps“, „ticks“, und leise knackigen Beckengrooves, gedämpften „snare rolls“ und Offbeat-Akzenten – und dem Flüstern des Besens auf einer Zeitung, die im Titeltrack über die Trommelfelle gelegt wird.“ (John Fordham, The Guardian, heute). Ich habe dem haitianisch-amerikanischen Musiker stets gerne gelauscht, ein fantastischer Teamplayer, und irgendwann ging mir leider im Laufe von Umzügen eine unvergessliche Schallplatte verloren, auf der er an der Seite von C. Taylor und J. Lyons so impressionistisch wie feurig wirbelte. Er ist auch auf einer frühen ECM-Platte zu hören, Marion Browns „Afternoon Of A Georgia Faun“, HDK‘s erste Begegnung mit ECM, und offensichtlich eine folgenreiche. (Meine erste ECM-Platte war wahrscheinlich „Sart“, und auch das hatte Folgen.) Das Spiel des haitianisch-amerikanischen Meisters kommt stets so unangestrengt herüber, spielerisch leicht (flirrend, schwebend), und ist doch alles andere als simpel. Es gibt auf seiner neuen Arbeit mit Bill Frisell, David Virelles und Ben Street, die Sun Chung produzierte, so viel zu entdecken, was sich zwischen „free improv“ und einem Hauch von „exotica“ luftig entfaltet, zwischen Jazzkammermusik, „spoken word“, Ballade und Blues. Ich habe in den Klanghorizonten neulich das Stück „Dance of the Nuances“ gespielt, und es enthält genau das, „einen Tanz der Nuancen“.

 

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1 Comment

  1. Hans-Dieter Klinger:

     
    Ich habe ein paar wenige Alben, die ich eines einzigen Stückes wegen erworben habe. Im jüngsten Album des Andrew Cyrille Quartets finde ich 7 von 8 Tracks, die mich veranlassen, das Album zu kaufen. It’s a wallet opener :)

    was für eine Verschwendung
    nein, was für ein Glücksfall
     
     
    Andrew Cyrille ist ein genialer Unbeachteter respektive ein unbeachtetes Genie. Dem mag nicht jede frau zustimmen – es ist halt meine Kenntnis oder Unkenntnis, die damit zum Vorschein kommt.

    For sure Andrew is A DANCER OF THE NUANCES
     
     
    Zur tiefen Wirkung des Albums tragen alle Bandmitglieder bei. Bill Frisell habe ich lange aus den Ohren verloren, dabei ist er einer meiner Favorite Gitarreros. Herrlich sein GO HAPPY LUCKY, dem ich demnächst einen Blogbeitrag widmen werde.

    Eine meiner späten Entdeckungen ist David Virelles. Selten habe ich in den letzten Jahren einen derart fantasievollen Pianeur gehört. Hinreißend seine Komposition INCIENSO, die Andrew schlitzohrig mit einem simplen Rhythmus eröffnet, den ich eher im Bierzelt der Haiger Kirchweih erwarte, als auf einem ECM Album:

    hum ta hum ta hum ta ta ~ hum ta hum ta hum ta ta ~
    Tja, die Kombination macht’s.
     
     
    The News ist ein Kandidat für meine Jahresliste.
     

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