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2021 2 Jul

By Schiff to Brahms

von: Hans-Dieter Klinger Filed under: Blog | TB | 2 Comments

Obwohl es alle Leser dieses Blogs längst schon wissen, sage ich es trotzdem: ECM ist das unvergleichlichste Label der Welt. Gibt es bei SONY Aufnahmen mit Benedicte Maurseth? Kennt jemand eine Plattenfirma, welche ein Album produziert hat, bei dem Jan Garbarek und das Hilliard Ensemble zusammen wirken? Findet man im BLUE NOTE Katalog Aufnahmen von Brahms‘ Klavierkonzerten? Das alles gibt es bei ECM. Wir wissen, wer das zu verantworten hat. Bevor Sie weiterlesen, sollten Sie diesen wunderbaren Film ansehen, dessen Qualität fast an die der ECM50 Series Ingo J. Biermanns heranreicht.

 
 
 

 
 
 

Von den beiden Klavierkonzerten Johannes Brahms‘ gibt es unzählige Einspielungen. ECM wäre nicht ECM, wenn diese Edition sich unauffällig in den Mainstream einreihen würde. Das tut sie nicht! András Schiff spielt einen Blüthner-Flügel Baujahr 1859 und hat als Partner das Orchestra of the Age of Enlightenment zur Seite. Man spielt ohne Dirigenten. Das setzt tiefes Verstehen voraus, das – ich kann es mir nicht anders vorstellen – angesichts der Komplexität der Musik nur nach intensiver Probenarbeit erreicht werden kann. Das CD booklet ist 24 Seiten stark, vollkommen untypisch für ECM.

Lieben Sie Brahms?

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2 Comments

  1. Uwe Meilchen:

    Bei Instagram gibt es einige Videos im denen Schiff die Einspielung, den verwendeten Flügel und seine ersten Begegnungen mit Brahms erläutert; jetzt noch dein Blogbeitrag hier wurde ein Entschluss gefasst. *legt CD in de virtuellen Einkaufswagen*

  2. Rosato:

     
    Wenn man diesem Link nachgeht, findet man folgenden Text vor:
     
     
    Arnold Schönberg hat ihn einen Fortschrittlichen genannt: Johannes Brahms, der – mit seiner musikalischen Sprache und Formenwelt tief in der Vergangenheit wurzelnd – bei Bach und Beethoven schürfte und dabei eine vollkommene Durchstrukturierung des musikalischen Satzes erreichte, mit der seine Werke weit in die Zukunft wiesen.

    Allerdings hat das Oeuvre von Brahms, wie es András Schiff anlässlich der vorliegenden Einspielung seiner beiden Klavierkonzerte mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment hervorhebt, dabei in all den Jahren der kontinuierlich sich verändernden Interpretation ein unangemessenes Schwergewicht angenommen, das die Faktur der Kompositionen eher verbarg, als die Verästelungen dieser subtil sich „entwickelnden Variationen“ (wie Schönberg das kompositorische Verfahren nannte) freizulegen.

    Selbstverständlich haben solche Entwicklungen auch mit den veränderten Aufführungsbedingungen und den sich wandelnden gesellschaftlichen Konstellationen zu tun, wobei nicht immer leicht auszumachen ist, wo die Kausalkette ihren Anfang nahm. Jedenfalls haben das Anwachsen einer globalen musikalischen Öffentlichkeit mit entsprechend zunehmendem Geräuschpegel, die größeren Konzertsäle und die dementsprechend massiver werdenden Klangkörper mit robusterem Instrumentarium auch das Brahms-Bild verzerrt, das heute einer Korrektur bedarf. Denn, so András Schiff, die Musik von Brahms sei „durchsichtig, feinfühlig, dynamisch äußerst differenziert und schattiert“.

    Um dies kenntlich zu machen, ist es freilich nötig, sich die Aufführungssituation jener Zeit zu vergegenwärtigen und, so weit das möglich ist, zu rekonstruieren. Die Meininger Hofkapelle, eines der fortschrittlichsten und angesehensten Orchester Europas zu jener Zeit und von Brahms stets favorisiert – seine vierte Symphonie wurde 1885 von ihm selbst dort uraufgeführt – beschäftigte beispielsweise zu Zeiten nicht mehr als 49 Instrumentalisten mit neun ersten Violinen. Und auch die Klaviere jener Tage, die Brahms bevorzugte, vornehmlich der Firmen Streicher, Bösendorfer und Blüthner, waren in ihrem Klang transparenter, obertonreicher und nicht zuletzt auch leichter ansprechend.

    Schon auf einigen früheren Einspielung bei ECM New Series griff András Schiff auf historische Instrumente zurück, etwa bei seinen zwei Doppelalben mit späten Klavierwerken von Franz Schubert, für die er ein Fortepiano von Franz Brodmann um das Jahr 1820 verwendete. Denselben Flügel hat er zuvor schon bei einem Doppelalbum mit Beethovens Diabelli-Variationen gespielt, wobei er dieser Version eine weitere Interpretation des Variationszyklus auf einem Bechstein-Flügel von 1921 gegenüberstellte.

    Wenn András Schiff für die Aufnahme der beiden Klavierkonzerte von Johannes Brahms nun das (ohne Dirigenten spielende) Orchestra of the Age of Enlightenment mit seinen „period instruments“ als Partner wählt und selbst auf einem historischen Flügel der Leipziger Klavierbauerfirma Julius Blüthner von 1859 spielt, so ist es nichts weniger als der Versuch, die Werke „neu zu deuten, sie quasi zu restaurieren, die Musik zu ‚entschlacken‘.“

    Im bisweilen kammermusikalischen Duktus der Einspielung, besonders zwingend in den beiden letzten Sätzen des B-Dur-Konzertes op. 83, entsteht so eine Interpretation, die sich dem originalen Klangcharakter nähert, dabei jene Schichten der Werke freilegt, die das dialogische Prinzip zwischen Solist und Orchester betonen und damit auch das Vorurteil widerlegen, das da lautet, das zweite Klavierkonzert sei eine „Symphonie mit obligatem Klavier“.

    „Meine Begeisterung für Brahms reicht in die frühe Jugendzeit zurück; die beiden Klavierkonzerte waren es, die diese Bewunderung hauptsächlich geweckt haben“, schreibt Sir András Schiff im Beiheft zu dieser neuen Aufnahme. Im Zusammenspiel mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment erschafft der Pianist, in diesen häufig gespielten Werken des Repertoires, ein überraschend transparentes Klangbild, das Raum lässt für Details in der Stimmführung und subtile Klangschattierungen. Dazu trägt wesentlich die Instrumentenwahl des Pianisten bei: ein Blüthner-Flügel, der um 1859 in Leipzig gebaut wurde, dem Jahr der Uraufführung des d-Moll-Konzerts. Das historisch informierte Orchestra of the Age of Enlightenment, das häufig ohne Dirigent arbeitet, weist die Flexibilität und Haltung eines Kammermusikensembles auf, das auf das Spiel des Solisten hervorragend einzugehen weiß. Die vorangegangene Zusammenarbeit mit dem Orchester in einer Reihe von Konzerten wurde von der Presse gefeiert.

    So schrieb der Guardian: „Brahms´ erstes Klavierkonzert erklang dank des prägnanten Spiels des OAE und der charaktervollen Phrasierung von András Schiff wie neu“. Der gemeinsame Wunsch der Musiker, das Erlebnis festzuhalten, führte zu dem vorliegenden Doppelalbum, das im Dezember 2019 in London aufgenommen wurde. Ein umfangreiches CD-Booklet enthält Texte von András Schiff und Peter Gülke auf Deutsch und Englisch.
     
     
    Wer noch nie Brahms, noch nie Schiff oder noch nie Schiff/Brahms gehört hat, kann es hier ausprobieren.
     

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