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2021 9 Apr

Wer das Schweigen bricht

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 1 Comment

Mechtild Borrmann ist eine Schriftstellerin, die darauf spezialisiert ist, abgerissene Zeitlinien der (weitgehend) deutschen Geschichte zu verbinden. In ihrem zurecht mit dem Deutschen Krimipreis 2012 ausgezeichneten Roman „Wer das Schweigen   bricht“ zeichnet sie die Geschichte von sechs Freunden, die sich im Nazi-Deutschland schworen, immer füreinander da zu sein. Das geht gründlich schief.

Ein erfolgreicher Arzt stösst im Nachlass seines Vaters auf das Foto einer unbekannten, attraktiven Frau, und wünscht sich insgeheim, dem selbstgerechten Vater endlich eine kleine Unvollkommenheit in dessen perfekten Vita nachweisen zu können. Das geht ebenfalls gründlich schief.

Der Roman bewegt sich zwischen den Zeitzonen des Zweiten Weltkrieges und des Jahres 1998. Jede Person  ist lebendig gezeichnet, meine Lieblingsfigur ist der kauzige Polizist, der nur darüber schmunzelt, wenn man ihn „Dorfsheriff“ nennt, und seine Liebe zur Langsamkeit mit einer Sammlung von Sanduhren kultiviert.

Muss man noch extra erwähnen, dass Mechtild Borrmann sehr feinsinnig mit Sprache umzugehen weiss, ob es sich um Naturschilderungen handelt, die immer auch Seelenzustände skizzieren, um Dialoge, oder das angemessene Tempo des Plots?! Ihre Kenntnis der deutschen Historie (und ihrer dunkelsten Zeit) erzeugt Schrecken mit klaren, alles Pathos vermeidenden Schilderungen, in denen das Grauen zu  irrationalem  wie irrsinnigem  Alltag gerinnt.

 
(eine bearbeitete Besprechung aus dem Jahr 2012) 

This entry was posted on Freitag, 9. April 2021 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

1 Comment

  1. Michael Engelbrecht:

    Das Lesen alter Texte macht Freude, wenn sie einem nach so langer Zeit noch gefallen. Da 2011 eine Zeit des Anfangs war, ist meine Ausbeute dort nur gering. Andere Manafonisten kamen bald hinzu.

    Wer Lust hat, auf dieses Perpetuum Mobile des Blogs, nimmt einfach seine / ihre Lieblingstexte von 2011 / 2012 her, bearbeitet sie, wenn nötig, und streut sie in dieses wechselhafte Jahr 2021 ein, mit der Zeit. Peu a peu.

    Es war Mechtild Borrmanns letzter Kriminalroman. Später hiessen ihre Romane nur noch Romane. DIE GEIGERIN las ich. Die gleiche Klasse wie WER DAS SCHWEIGEN BRICHT. Soviel zur Aussagekraft von Genres.

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