Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2021 12 Feb

Kleines Gespräch über Pauline

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | No Comments

Hannah: Komponiert in der Wohnung, in der sie jahrelang lebte, erzählt Angel Tears in Sunlight von einer nicht-visuellen Begegnung mit einer alternativen, Sci-Fi inspirierten Realität. Und das spielst du, Michael?

 

Michael: Ja, in den Klanghorizonten, wo sonst? Und da Pauline blind war, wäre eine visuelle Begegnung unglaubwürdiger. Und sie veranstaltet spannende Verwirbelungen, Natur und Elektronik sind eng verwoben.

 

In der Tat, höre nur ‚Tropical Convergence‘: klingt  wie ein Hörerlebnis eines Ursula K. Le Guin Romans. Flirrende, glockenspielartige Beats sind Regentropfen, die auf dem Blätterdach des Waldes landen. Das Dschungel-Thema kehrt mit „Tropical Rainforest“ zurück, das mit wässrigen Klängen unterlegt ist und Stroms Erinnerung an ihre frühen Klangexperimente wachruft.

 

Welche frühen Klangexperimente meinst du, Hannah? Ich habe Paulines Musik und Geschichten über ihre Hunde erst gehört, ich komme gerade nicht auf ihre witzigen Namen,  als „Trans Millenia Music“ vor Jahren ihre alten Kassetten vor dem Vergessen retteten. Und das war faszinierend.


In den 1980er Jahren – allein, während ihr Mann bei der Arbeit war – manipulierte sie stundenlang mit einer Hand eine Schüssel mit Wasser und hielt in der anderen ein Mikrofon, um zu versuchen, die Spritzer zu einer Melodie zu verweben. Es sind diese kleinen, heimlichen Details, aus denen dichte, psychedelische Welten entstehen.


Ich bin schon erstaunt, wie unverbraucht sich ihre neue Musik anhört. Bei all meiner Skepsis gegenüber dem süssen Raunen der Ergriffenheit im Gros von New Age: hier strömt  so viel mehr aus den Lautsprechern, ich möchte Kerzen anzünden, hahaha, und dunkel muss es sein.

 

Als ich hörte, dass Strom plötzlich gestorben war,  las ich Pauline  Oliveros‘ Deep Listening (2015). Die beiden Frauen teilen sich einen Namen und eine Entstehungsgeschichte, da sie beide in der aufkeimenden New-Age-Musikszene von San Francisco entstanden sind, Oliveros als Komponistin und Akademikerin und Pauline Anna Strom als Trans-Millenia Consort. Deep Listening bedient sich der Tropen des New-Age-Genres – Zen-Philosophie, Psychoanalyse und transzendente Formen der Entspannung -, um sich auf einer aufmerksameren Ebene auf Hörerfahrungen einzustimmen. Oliveros beschreibt die Praxis als „beabsichtigt, das Bewusstsein für Klang in so vielen Dimensionen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeitsdynamik zu erhöhen und zu erweitern, wie es menschlich möglich ist.“

 

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