Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2020 24 Jul

Anregung zum Kauf einer Single

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 5 Comments

Nach dem Poesie- und Briefmarkenalbum kam die Singles-collection, aufklappbar, Zellophantasche um Zellophantasche. Eines Tages hatte ein Freund, der kein Freund war, als erster „Summer in the City“, und wir krochen mit den Ohren fast in die Autohupen und Lautsprecher. Er hatte auch, ich erinnere mich jetzt, „Oh, Well“ (hiess das so?) von Fleetwood Mac. Irgendwann verschwanden die Singles aus dem Leben, weil es so grossartige Alben gab, und man länger in einer Musik leben wollte als drei, vier Minuten. Jahrzehnte später, fällt mir ein, wurde David Sylvian nach Singles gefragt, und er sagte, was auch sonst, er hätte sich ewig keine Single mehr gekauft, und nannte dann doch die eine Ausnahme, „Wonderful Life“ von Black. Das war fraglos ein grosser Song mit Lust aufs Wieder- und Wiederhören. Ein One-Hit-Wonder zudem. Und ich komme da nur drauf, weil auch ich mir nun eine neue gute alte Single gekauft habe, mit zwei tollen Songs, A- und B-Seite, wie es eben sein  soll. Vor vierzehn Jahren, mitten im Sommer, sass ich mit dem Singer / Songwriter (dieser Single) in Berlin, und er lieferte ein beeindruckendes Interview ab, zu einem beeindruckenden Album. Aber seit 2006: Fehlanzeige. Schon vorher waren seine Werke rar gestreut, und ich hatte sie alle. Er war einer aus der Reihe mit langem Schweigen über die Jahre, wie Robert Wyatt früher, wie Mark Hollis, Scott Walker, oder den ewigen Pausen zwischen Eno-Alben mit Gesang. Ich spiele mindestens die A-Seite in den Klanghorizonten am 15. August, und ich liebe diesen Song, seine Stimmwanderungen, und wie er die „landscapes“ im Laufe der vier Minuten verwandelt. So, als könnte man eben doch sehr lange in einem einzigen Lied leben. Dazu braucht es nicht mal ein Ohrwurm zu sein. Machen Sie mal etwas Neues: kaufen Sie sich diese Single von Green Gartside, dem Mann, der Scritti Politti ist, „Tangled Man“ / „Wishing Well“ (Songs of Anne Briggs). Rough Trade. Und dann fallen Ihnen bestimmt all die Stories ein (wenn Sie in dem Alter sind), Singles das erste Mal hören, und Singles tauschen, und durch eine Single (was für eine Spielfreude!)  in eine andere Welt treten, und dass es mal eine Zeit gab, in der man auf neue Singles der Kinks wartete, mehr als auf den Weihnachtsmann. Der schon ausgedient hatte. Es kann auch sein, dass Sie einfach nur Scritti Politti entdecken. Robert Wyatt liebte damals schon sein erstes Album Songs to Remember. Ich auch. Und von Robert gibt es auch Neues, demnächst, leider kein Album, keine Single, dafür ein kleines Buch, von ihm und Alfie. Eine andere Geschichte.

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5 Comments

  1. Green Gartside:

    Recently, in an interview for a forthcoming book about art and music in Leeds in the 70’s and 80’s, the author asked me, as an aside, if it were true that I was wearing Morris Dancer’s leg bells at the 1976 gig there by the Sex Pistols, Clash, Damned and Heartbreakers as other interviewees present that night had reported. My DNA was reconfigured that evening so my memory is hazy but it is very likely that I WAS wearing the leg bell pads made for me by a school friend some years before. In fact I may well have gone to the gig straight from the evening Morris dancing lessons I attended at Leeds university.

    Because before punk gave me the liberty and license to make my own music I was geekily obsessed with ‘folk’. When I was fourteen I was enraptured by the Fairport Convention album “Liege and Lief” and became an underage regular at Dublin Moran’s folk club at the Castle, a very insalubrious pub down Newport docks. It’s there I was made aware of the Topic record label and the music of the Watersons, Martin Carthy (who I subsequently stalked . . . ask him) and Anne Briggs. The beautiful melodies Anne sang unaccompanied were profoundly affecting, her unornamented voice a precursor to the anti-professionalism of DIY. For a long while I walked about dressed like a 19th century farm labourer (with a bit of eyeliner) in a kind of hypnagogic reverie to an inner soundtrack of Northumbrian pipe tunes, Wassailing songs and Morris dances. Jesus.

    Forward some 40 odd years and my friend and Scritti Politti bandmate Rhodri Marsden had been contacted to do an arrangement of an Anne Briggs song for a project with which he was involved. Knowing I was a fan he suggested maybe I’d like to take on the task. I was dead keen and recorded myself at home playing and singing my versions of a couple of the very few songs Annie had written many years ago. Geoff Travis and Jeannette Lee at Rough Trade heard the stuff and liked it.. so here we are. . .

    Right I’m off to find a couple of hankies and have a quick caper to Lads A Bunchum and The Shepherds Hey. See you soon.”

  2. Norbert Ennen:

    Single gekauft. Love it.

  3. Michael Engelbrecht:

    In den Klanghorizonten am 15. August gibt‘s die A-Seite und die B-Seite, lieber Norbert. Der Song Tangled Man kommt in der dritten Stunde, in der es tief in die englische Provinz geht, ganz nach David Bowies altem Aufruf, die roten Segel zu setzen, auf dem Weg ins Hinterland…. das Album Lodger (auf dem sich das Lied befindet) war das schwächste der „Berliner Trilogie“, imo, aber es hatte seine besonderen Momente…. und Songs….

  4. Norbert Ennen:

    Werden die Original-Versionen von Anne Briggs auch eine Rolle spielen, wenn es tief in die englische Provinz geht?

  5. Michael Engelbrecht:

    Ich habe mir das Teil von Anne Briggs bestellt. Ist es zeitig hier, von Herrn Discogs, kommt die A-Seite im Original, direkt vor Green.

    Läuft unter Hörerservice, und weil es Sinn macht:)

    Ah, die Besetzungsliste der dritten Stunde der Nacht… my little journey will feature Ann Margaret Hogan, Shirley Collins, Anne Briggs, Richard Skelton, Will Burns & Hannah Peel, The Unthanks, Erland Cooper, Darren Hayman, Green Gartside, and a stone cold classic in the genre of field recordings.

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