Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2020 19 Feb

Jon Christensen

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 2 Comments

 

Ich trinke eine Tasse Kaffee und vernehme die traurige Nachricht. Jon Christensen ist tot. Sein Schlagzeugspiel hat mich begleitet, seit ich SART kaufte, meine wohl erste ECM-Platte, und das zweite Album von Jan Garbarek, das Manfred Eicher produzierte. Jeder, der die Musik des Labels verfolgt hat, wird eine kleine oder grosse Sammlung an Platten und Alben mit diesem Schlagzeuger haben. Ist Transparenz das Zauberwort? Einschlägige Worte verengen den Blick, er konnte auch wild. Jedem werden auf Anhieb Titel von Lieblingsalben einfallen, an denen er massgeblich beteiligt war – der sogenannte Sideman mit einem Füllhorn eigener Ideen, die er stets zu dosieren wusste. Nie bloss Zulieferer. WITCHI TAI TO, SOLSTICE, BELONGING, YELLOW FIELDS, THE SEA, SERENITY. Was halt so als erstes in den Kopf kommt. Musik war für ihn immer Abenteuer, ein Suchprogramm aus analogen Zeiten, kein Abwickeln von dem, was man ohnehin weiss. Ich sehe ihn vor mir, im betörend jungen Quartett von Jan Garbarek, im Landesmuseum in Münster, ich sehe ihn vor mir, wie er mir erzählte, er hätte auch gut professioneller Eishockeyspieler werden können. Ich höre ihn, wenn ich die Kopfhörer aufsetze, auf einem seiner letzten Auftritte in einem Tonstudio, als RETURNINGS von Jakob Bro entstand, ein bezauberndes Werk, und erinnere mich, wie Manfred Eicher dazu sagte, sinngemäss, kein genauer Wortlaut, Jon brauche nur ein Becken anzuschlagen, und es komme ein Wind auf. Viel Wind um nichts machte er nie, ein Hauch genügte, um so vieles in Bewegung zu setzen.

 
 
 

Spiral Dance
1976
Jan Bobo Palle Jon

 

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2 Comments

  1. radiohoerer:

    Sehr traurige Sache. Ich sehe es genau so wie Micha. Hier ein Tipp: eine Aufnahme von 2013 aus den Rainbow Studios und mit Carsten Dahl (piano), Arild Andersen (bass). Under the Rainbow. Ist erst letztes Jahr erschienen.

  2. Harald Rehmann:

    Erst Lyle Mays, jetzt Jon Christensen. Meine Jazz-Idole seit Schul- und Studienzeiten sterben so langsam weg … Ich erinnere mich an sein einzigartiges Spiel auf Rypdals „Waves“, Towners „Solstice“, Webers „Yellow Fields“ u.v.m. ! Wie ihn gibt es keinen mehr.

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