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2018 18 Okt

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (172)

von: Gregor Mundt Abgelegt unter: Blog | TB | 2 Kommentare

Immer wieder muss ich an Paul Austers jüngstes Buch 4321 denken, vor allem dann, wenn ich einmal mehr erkenne, wie sehr unser Leben durch Zufälle bestimmt ist und wie wenig wir eigentlich selber in der Hand haben. Vor ein paar Tagen zog ich zwei Langspielplatten aus meinem Plattenschrank, die ich mit Sicherheit seit mindestens 25 Jahren nicht mehr in der Hand hatte. Es handelt sich um Platten des dänischen Jazztrompeters Allan Botschinsky. Die eine nahm er im Duo mit Niels-Henning Ørsted Pedersen auf, sie trägt den bezeichnenden Titel Duologue (1987), die andere spielte er im Quintet ein, mit Ove Ingemarsson, Thomas Clausen, Lars Danielsson und Victor Lewis: The Night (1988), wunderbare Schallplatten übrigens.
 
 
 

 
 
 
Auf der Plattenhülle von Duologue sind in winziger Schrift ausführliche Interviews mit Allan Botschinsky und Niels-Henning Ørsted Pedersen wiedergegeben. Im Interview mit NHOP entlockt der Interviewer John V. Baer dem Bassisten interessante Informationen – ursprünglich hätte er gar nicht Bass gespielt, sondern ab dem sechsten bis zum dreizehnten Lebensjahr Klavierstunden gehabt, erst durch Zufall sei er zum Bass und zum Jazz gekommen, erzählt Niels-Henning:
 

„My friend, Ole Kock Hansen, who now plays with the Danish Radio Big Band, also played piano … better than I. Since we wanted to play together with his brother and my two Brothers and me, being the youngest, they decided that I should play bass, because we needed a bass player.“

 
So wurde Niels-Henning Ørsted Pedersen, der den Bass so einzigartig spielte (er starb 2005), zum Bassisten. Paul Auster hätte seine Freude. Niels-Henning war damals zwölf Jahre alt, als er begann auf einem czekoslovakian Plywood bass zu spielen. In seiner „family band“, wie er sie nannte, lernte er Jazz zu spielen, seine Ausbildung am Bass war eine klassische.
 
 
 

 
 
 
Auch die Begegnung mit dem Trompeter Allan Botschinsky verdankt NHOP dem Zufall:
 

„When I met him, he was playing in the number one of jazz club in Copenhagen, called Vingaarden. I went there to buy my second bass from the bass player in that band, which was at that time the number one band in Denmark. Probably just out of curiosity, they asked me to sit in with them. So I did. I mean, I didn´t know anything about anything, but they liked it. Later, they were in the process of getting a new bass player, and all of sudden I was a part time bass player with them. You see, I had to go to school in the morning so I couldn´t play all six shows a week. So we had some kind of agreement that I played three times a week, preferably on the weekends. … The group was called `Jazz Quintet 60´.“

 
Übrigens, mit seinem Jugendfreund Ole Kock Hansen sollte NHOP später noch überaus erfolgreiche Platten einspielen. Beide sind zu hören auf Jaywalkin‘ (1975), The Eternal Traveller (1984), Hommage (1990), To A Brother (1993), aber auch auf dem Miles-Davis-Album Aura sowie auf Platten mit Karin Krog & Palle Mikkelborg, Ben Webster und anderen.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 18. Oktober 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

2 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    172, wow!

    Irgendwann wird es die Paul Bley-Themenstunde in den Klanghorizonten geben, und dann wird das Duo BLEY NHOP gewiss dabei sein.

  2. Gregor:

    Aber das ist so sicher ….


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