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2018 5 Mrz

Laurie Anderson & Kronos Quartet: Landfall

von: Jan Reetze Abgelegt unter: Blog | TB | Tags:  | 4 Kommentare

Ich wundere mich ja schon seit einiger Zeit, dass zu dieser Neuerscheinung noch nichts auf diesem Blog zu lesen war. Dabei ist das ein so wunderbares Werk! Ich werde mich hüten zu sagen: „Laurie Andersons bestes Album seit langem“ — das relativiert sich erfahrungsgemäß nach einer Weile, aber es ist erstklassig, und das wird es bleiben.

Dass sich die Märchenfee Laurie Anderson und das fabelhafte Kronos Quartet irgendwann finden würden, war mir eigentlich immer klar. Warum es so lange gedauert hat? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich haben beide Seiten gewartet, bis es passt. Und nun hat es gepasst. Der Auslöser war der Hurrikan „Sandy“, der 2012 Zerstörungen historischen Ausmaßes in New York und Umgebung hinterlassen hat. Das ist kein heiteres Sujet. Laurie Anderson macht daraus eine dunkle, aber nie in Depression verfallende Suite über Verlust, Trauer und Weiterleben. Und sie wäre nicht Laurie Anderson, würde sie das Thema nicht in scheinbar abgelegene Randbereiche und persönliche Reflektion über dieses und jenes ausweiten. Aber irgendwie passt es immer. Irgendwo im Hintergrund spukt da auch wieder Lou Reed herum, nicht als Sample, aber spürbar.

Landfall besteht zu weiten Teilen aus Instrumentalmusik. In der Live-Aufführung werden dazu Texte projiziert, die man in der CD-Version im Booklet mitlesen kann. Teile der Erstauflage enthalten im übrigen — wie auch schon ihr letztes Album — einen von Laurie signierten Druck.
 
 
 

Brooklyn Academy of Music presents Landfall, a new piece by Laurie Anderson for Kronos Quartet at the BAM Harvey Theater on September 23, 2014.
Kronos Quartet (L To R)
David Harrington, violin
John Sherba, violin
Hank Dutt, viola
Sunny Yang, cello
Photo Credit: Stephanie Berger

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Montag, 5. März 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

4 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Das stimmt so nicht: irgendwo, vielleicht in einem Kommentar erwähnte ich meine Enttäuschung über das Album.

    Hier ein paar Sätze aus den letzten Klanghorizonten dazu:

    „Eine Zusammenarbeit von Laurie Anderson mit dem Kronos Quartet, das klingt schon fast so viel versprechend wie einst, das Zusammentreffen von Laurie Anderson mit Brian Eno auf dem Album BRIGHT RED.

    Und, entsteht die gleiche Magie wie auf jenem Album von 1984, oder auf ihrem frühen Meilenstein, Big Science. Passagenweise ja, aber dramaturgisch ist das Album LANDFALL ein partieller Reinfall, zu ausufernd, zu selten der Einsatz der Stimme, eine geschickte Straffung wäre mindestens nötig gewesen

    So kann man zwar staunen über die Virtuosität des Kronos Quartet, wie es den katastrophalen Sturm Sandy, der 2012 über die amerikanische Ostküste herbrach, klanglich inszeniert, und wünscht sich dann doch weniger Klangmalerei, mehr Geschichten.

    Das ist ein Album mit besonderen Momenten. Gegen Ende einer der ergreifendsten. Das Kronos Quartet sorgt für die Einstimmung, dann sichtet Laurie Anderson die massiv beschädigten Habseligkeiten ihres überfluteten Kellerraums. Die paar Sätze, die sie da spricht, gehen unter die Haut.“

    Das Album erhält viele sehr positive Besprechungen, also ist das hier eine Wahrnehmung, die ich ziemlich exklusiv habe. Macht nichts.

  2. Jan Reetze:

    Ich habe bis jetzt — und ganz bewusst — noch keine Besprechungen des Albums gelesen. Insofern ist dies mein unbeeinflusster erster Eindruck, den ich einige Tage habe sinken lassen.

    Aber zugegeben: Laurie Anderson müsste sich schon sehr anstrengen, um mich zu enttäuschen.

  3. Michael Engelbrecht:

    Mir geht es genauso, sie müsste sich sehr anstrengen, aber diesmal ist es ihr und den nicht minder geschätzten Kronossen gelungen. Ich habe es dann, vor den Klanghorizonten, noch ein zweites Mal gehört, in aller Ruhe, aber was blieb, war die Phantasie, wie toll es hätte werden können.

    Wobei ich nur ein Weissmuster habe, und die Version mit dem Mitlesen während längerer Instrumentalmusiken nicht erprobt habe….

    Genauso kalt scheinen mich andere alte Lieblinge zu lassen, David Byrne, Calexico. Immerhin ist auf Yo La Tengo Verlass.

    Bin mal gespannt, was das für eine Platte wird im Mai, das gemeinsame Album von „Break-Core Spezialisten“ Venetian Snares & Daniel Lanois (!)

  4. Michael Engelbrecht:

    https://www.thelineofbestfit.com/reviews/albums/laurie-anderson-kronos-quartet-landfall


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