Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Da ich mein Aufnahmegerät nicht länger als 45 Minuten allein lassen kann, höre ich Michaels Sendung seit einigen Monaten komplett live mit, diesmal zum ersten Mal die ganze Zeit über Kopfhörer, was ein leichtes outlaw-Gefühl verschafft, wenn ich den Lautstärkeregler nach oben drehe. Ich habe noch nie während und nach einer Sendung so viele CDs bestellt wie in dieser Nacht, ich bin von einer Begeisterung in die nächste getaumelt. Dictaphone läuft schon seit Wochen auf meinem Plattenteller, insofern war ich hier eher auf die Auswahl der Tracks gespannt. Von Roger Eno mochte ich den Text auf dem beiliegenden Booklet sehr, den Michael gelesen hat, mit den Beschreibungen eines verlassenen Ortes (weil die Bilder – Synchronizität! – gerade in eine Arbeit von mir passen), oder war es Michaels Beschreibung der Fotografien? Andy Sheppards Lässigkeit habe ich erst jetzt richtig wahrgenommen, wenn mir auch der Name bekannt vorkam. Von Fire! habe ich schon etwas in meinem Plattenschrank (She Sleeps), aber „The Hands“ treffen mich noch mehr ins Zentrum. Kim Myhr habe ich gern gehört, leider ist exakt diese Aufnahme unterhalb der Hörschwelle geblieben und ich dachte wieder einmal an Tanja, die mich vor Monaten fragte, warum ich eine Sendung aufnehme, wenn ich sie doch live höre. Die Retrospektive von Flying Saucer Attack hat mich an eine Klanghorizonte-Sendung über Labradford erinnert (aus der Zeit, als die Klanghorizonte noch jeden zweiten Montag von 1.05 bis 2 Uhr liefen), was die Veränderungen der Arbeit der Band anging, ins Reduzierte, ins Karge hinein. (Hoffentlich löst sich die Formation nicht auf.) Ich mag solche Rückblicke, Spurensuche, und habe mir von Flying Saucer Attack fast alles bestellt, was ich noch nicht hier hatte. Wie gern hätte ich diese Alben schon in den 90ern gehört! Manchmal denke ich an Gregors Satz, dass Musik überlebensnotwendig ist und wie er es gemeint hat oder eher, wie ich es verstehe. Es klingt pathetisch, aber wir wissen, dass es so funktioniert: Das aufmerksame Zuhören, die Konzentration auf eine musikalische Arbeit, die uns im Innern berührt, bewirkt, wie jede gelungene Kunst, eine Transformation.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 18. Februar 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

1 Kommentar

  1. Olaf:

    Klanghorizonte zu hören wird auch für mich zu teuer, mein Favoriten sind Eros in Arabia und auch Andy Sheppard, mal sehen ob ich von beiden noch LPs bestellen kann. Von Kim Myhr und Dictaphone ganz zu schweigen.

Kommentar hinterlassen

XHTML erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Mit dem Absenden akzeptiere ich die Übermittlung und Speicherung der Angaben, wie unter Datenschutz erläutert.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz