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2017 24 Dez

Manamory (24/2017) – „Tonite“

von: Manafonistas Abgelegt unter: Blog | TB | Kommentare geschlossen

In dieser Nacht

 

Jeder singt das gleiche Lied,
und das geht so: In dieser Nacht, in dieser Nacht, in dieser Nacht.
War mir nicht klar, dass diese Künstler hauptsächlich ans Sterben denken.

Es könnte dich zum Heulen bringen, dass wir alle auf die gleiche Weise enden.
Aber es ist die beste Nachricht dieser Woche.

Du hörst es überall im Radio.
(Was vom Radio übrig bleibt.)
Danke, ehrlich, für dein Werbepsychoding, durch das wir immer up-to-date sind.

Alle Hits über dasselbe,
nur: In dieser Nacht, in dieser Nacht, in dieser Nacht.
Und: Das Leben, es hat eine Grenze.
Shit, es fühlt sich aber endlos an.

Ob es jedem so geht?
Wir sind doch alle ungezügelt.
Nur du nicht.
Du weißt, wer gemeint ist.
Das ist ein Liebeslied.

Und du wirst älter.
Das verspreche ich dir; du wirst älter.
Und es wird besser, immer besser, bis …
– Bist ein Gewinnertyp –
bis die Zukunft ein Alptraum ist
und dann ist da nichts, was ich tun kann.
Niemand kann da etwas tun.

Jetzt kriegst du die Chance, dich anzugleichen –
Du kennst die Dialektik der Verneinung, ja?
Deine Gegner jagen dich mit Spott und Spucke.
Freunde aber können dich ins Aus befördern.
Ha, das stimmt nicht.

Du bist zu erschüttert, um ausgenutzt zu werden.
Oder du bist zu erschüttert, weil du ausgenutzt wurdest,
von großmäuligen Kindern einer mysteriösen Verlosung
von Schuhen in limitierter Auflage.

Was machst du nochmal?
Oh, ich spiele Kassandra, ich bin
der behinderte Veteran einer Plattenladen-Inquisition,
angesetzt, um das Macho-Arschlochtum zu stoppen
mit meinem späten Middle Age-Geschwafel.
Jeder Verliebte will es, dieses
„berühre mich, berühre mich, in dieser Nacht.“
Vielleicht erkennen wir das, was wir brauchen, wenigstens
bevor wir sterben.

Glück ist immer besser als Geschicklichkeit in etwas.
Wir fliegen, blind.
Großer Gott,
das hört sich an wie meine Mutter.

Außerhalb der kleinen Zimmer, auf den Straßen
kriegst du kein Internet. Wir haben unsere Erinnerung verloren.
Hinter uns, da waren Fußabdrücke aus Papier. Unsere Geheimnisse waren geborgen.
Die peinlichen Fotos haben wir alle gelöscht,
und ersetzt durch Versionen von uns, von denen wir finden, dass sie das Optimum sind,
bis sich Versionen über Versionen legen. Kopieren. Bearbeiten. Löschen. Repeat.

Du kommst her und machst dich lustig über alles, was uns einmal wichtig war.
Und du machst immer noch Fehler, immer die gleichen Fehler.
Erbsenzähler, Rationalisten kennen sich aus mit langfristigen Kalkulationen
– und darin sind sie besser als du –,
aber den schnellen Kick kennen sie nicht.
Den kennen die Gauner, und darin sind sie besser als du.

Sie werden benutzt und ausgenutzt von Leuten, die anfangs nette Zuhörer waren.
So wirst du bedrängt und verspottet, so lange du lebst.
Du versäumst eine Party, worüber du nie hinwegkommst.
Du verabscheust das Gefühl, deine Jugend zu vergeuden,
dass du viele Jahre im Hintergrund warst, oh, bis du dann älter wurdest.
Aber das sind alles Lügen,
alles, alles sind Lügen.

Ist gut jetzt, ich kann nicht mehr weiter, mein Kopf, mein Gehirn is kaputt.

 

(lyrics by James Murphy, LCD Soundsystem)

(translated by Martina Weber)

(planned to be performed by Michael Engelbrecht, Radionacht Klanghorizonte, 30-12-2017)

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 24. Dezember 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

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