Manafonistas

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2016 5 Nov

The Lobster (2015) – Filmtipp

von: Lajla Nizinski Filed under: Blog | TB | Comments off

They call me the wild rose
but my name was Elisa Day
why they call me it I do not know

(Nick Cave)

 
 

Ja, ich weiß auch nicht, was dieser Film von Giorgos Lanthimos zeigen will, vielleicht weiß es der griechische Regisseur selber nicht und das macht den Film so spannend.

Er hat drei Handlungsstränge, die schnell erzählt sind. In dem ersten Teil müssen Alleingelassene, Verlassene versuchen, in 45 Tagen einen Partner zu finden. Gelingt es ihnen unter der Herrscherin des Hotels, in dem sie wohnen, nicht, werden sie in ein Tier verwandelt. Im mittleren Teil gibt es eine Gegengruppe, dort müssen die Singles absolut Singles bleiben. Wenn sie sich verlieben sollten, drohen ihnen schreckliche Strafen. Im letzten Teil ist es Einem aus der ersten Gruppe und Einer aus der zweiten Gruppe „gelungen“, sich zu verlieben. Es gelingt ihnen, in die Stadt zu fliehen, wo sie eine grausame Gemeinsamkeit ihrer Liebe finden.

Ich weiß auch nicht, ob es in diesem Film um Liebe geht. Es werden keine Gefühle gezeigt. Derjenige, der den Nick Cave Song „Where The Wild Roses Grow“ singt, lehnt merkwürdig emotionslos am Baum. Man kann seine Sehnsucht nicht von seiner Trostlosigkeit unterscheiden. In dieser Dystopie ist der Wald Wohnort und Fluchtweg zugleich. Der Besuch in der Stadt, ist eine Möglichkeit für das Liebespaar, eins zu spielen.

Die Farben in diesem Film sind eher freundlich und warm: der Wald ist sonnendurchflutet, ein warmes Braun wechselt mit moosweichem Grün. Der nahe Fluss fließt träge durch gelbes Gras. Diese Leinwände geben dem Zuschauer Zeit zum Durchatmen, besonders wenn im dritten Teil eine grässliche Szene der anderen folgt. Ein schlimmer Film? Das hörte ich beim Hinausgehen. Ich denke, es ist ein irritierender, radikaler Film. Kein Sozialdrama, keine Gesellschaftskritik, kein Horrorfilm, kein Sciencefiction und schon gar nicht ein Liebesfilm. Wir sind in den Jubeltagen des Dadaismus. Bunuel lässt grüßen, aber auch die Waldmenschen aus „Fahrenheit 451“.

Das ist das neue griechische Kino, darauf sollten jetzt Kinogänger achten.

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