Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2016 25 Aug

September, September!

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | 4 Kommentare

Einen Logenplatz bei den volkstümelnden „Schmallenberger Tagen“ konnte ich noch gerade verhindern, also trieb ich mich in den bunt geschmückten Gassen um, und nahm mir das landschaftliche Umfeld vor. Hier begegnet man, wie in Schulbüchern alter Zeit, noch strammen Wandersleuten, deren Hunde Bello und Vincent heissen. In meinem e-book steckt seit zwei Tagen ein Werk ansteckender Heiterkeit.

Dean Burnetts „Idiot Brain“ entführt uns auf spannende Pfade zur Erkundung neuronaler Fehlschaltungen: unser Gehirn setzt sich ja nun aus recht konträr gestalteten Arealen zusammen, die keineswegs bestens harmonieren. Anders als im Skurillitätenkabinett von Oliver Sacks geht hier um „cerebrale Missgeschicke“ des Alltagslebens, von blinder Verliebtheit bis zur Seekrankheit. Burnett ist ein grossartiger Humorist, und gerne fasse ich mich, zwischen diversen Lachattacken, an den eigenen Kopf.

Es gibt eine kleine Liste von Sologitarrenalben, die bei mir einen besonderen Platz einnehmen. In diesem Jahr ist das Album von Glenn Jones hinzugekommen, der auch mal mit Jack Rose gespielt hat. Und von eben dem, mit 39 tragisch früh aus dem Leben geschieden, erscheinen in der letzten Septemberwoche, die ersten sechs Alben seiner Solokarriere, auf Vinyl. Ein Highlight habe ich rausgepickt für unsere Monatsauslese. From raga to ragtime, no circus involved.

Wer Borderline-Persönlichkeiten studieren will, ist bei den jüngsten Thrillern von Elizabeth Hand bestens aufgehoben. Cassandra Neary ist genau das, ein drop-out, eine Hobbyfotografin, aus den frühen Zeiten des New Yorker CBGB’s, die Jahrzehnte später in diverse Schattenwelten gelockt wird. Ihre Romane sind extrem ruhig erzählt, beiläufig schleicht sich der Schrecken ein.

Bleibt das lang erwartete Doppelalbum von Tigran Hamasyan – das Quartett mit Arve, Eivind und Jan spielt, einen Tag nach der Veröffentlichung des Werkes, beim Punktfestival in Kristiansand – dort, wo alles angefangen hat vor zwei Jahren, mit einem Duo des Pianisten und des Live-Samplers Jan Bang.

Laurie Anderson bringt am Tag des release-Konzerts ihren Hund zur Welt (in dem abgründigen Opus „Heart of a Dog“) – zudem interviewt Jan Omdahl Manfred Eicher, und ich bereite eine Vorlesung (mit Musik) vor, bei der sich vieles um Küstenzonen, Jukeboxen und „Drifters“ (Wanderer, Herumtreiber) dreht: da tragen die Hunde aber andere Namen als im Sauerland – einer heisst „Brian Wilson“.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 25. August 2016 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

4 Kommentare

  1. Norbert Ennen:

    „He makes James Blackshaw look like James Hackshaw.“

    … und Kensington Blues ist sogar noch besser.

  2. Uwe Meilchen:

    „Ab 35 fühlt sich dein Leben wie die xte Staffel einer Serie an. Der Hype ist vorbei, die Story verworren und du hoffst, dass niemand stirbt.“

    (twitter.com / DrWaumiau)

  3. ijb:

    Auf der Fahrt durch Schweden habe ich die Augustsendung komplett angehört (und da es im Auto keinen CD-Spieler gibt, auch gleich noch die Aprilsendung wieder gehört).

    Toll, die Mitchell-Stunde, regt mich an, in Berlin wieder die ganzen Alben aus dem Regal zu ziehen. Nun sitze ich in Strandebarm am Hardangerfjord in dem Haus, wo Stein (Urheim) und Benedicte (Maurseth) ein paar Monate wohnten und er deshalb sein Album „Strandebarm“ nannte.

    Wir sehen uns am Samstag in Kristiansand. Hoffentlich wird das Wetter besser. Hier in Norwegen ist der Sommer wohl ausgefallen; es regnet sehr viel bei herbstlichen Temperaturen.

  4. Michael Engelbrecht:

    Schön!


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