Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2015 29 Dez

What’s Art for?

von: Lajla Nizinski Abgelegt unter: Blog | TB | 4 Kommentare

 

Mein Vexierbild


 

„Alles laesst uns glauben, dass es einen bestimmten geistigen Standpunkt gibt, von dem aus Leben und Tod, Reales und Imaginaeres, Vergangenes und Zukuenftiges, Mittelbares und Nichtmittelbares, Oben und Unten nicht mehr widerspruechlich empfunden werden.“

(Andre Breton im 2. surrealistischen Manifest)

 

Hatten Sie auch schon einmal Lust, wie der Mann in dem Film They Live (1988 von John Carpenter) mit einer Sonnenbrille herumzulaufen und aufgefordert zu werden: obey – submit – buy … ?

Welche Musik macht Sie gluecklich? Bach? Beethoven? The Beatles?

Standen Sie schon einmal vor einem Gemaelde und spuerten „Happiness Is A Warm Gun“?

Sie gingen sicherlich schon einmal aus einem Kino mit Gluecksgefuehlen.

An den Weihnachtsfeiertagen hatte ich mir noch einmal den Film Andrej Rubljow von Tarkowski angesehen. Der Film stellt u.a. die Frage nach dem Auftrag der Kuenstler fuer die Menschheit.

Der Ikonenmaler Andrej Rubljow erhaelt vom Grossfuersten den Auftrag, eine Kathedrale mit Ikonen auszuschmuecken. Wir sind im 15. Jahrhundert. Nachdem Rubljow bei einer Schlacht zwischen Russen und Tartaren die menschliche Faehigkeit zu grausamen Taten gesehen hatte, entschliesst er sich, mit dem Malen aufzuhoeren. Erst als ein junger Mann es vermag, eine Glocke zu giessen und deren Klang die Umherstehenden froh macht, entscheidet sich Andrej, wieder zu malen.

 
 
 

 
 
 

Was ist heute der Auftrag der Kunst? Der von mir so geschaetzte belgische Maler James Ensor versetzt mich mit seinen grotesken Maskenbildern in einen „komischen“ Zustand. Seine Masken verstecken die Wirklichkeit: the carnival must go on … Der Duesseldorfer Kuenstler Bert Gerresheim, ebenfalls ein grosser Verehrer von Ensor, versucht mit seiner Vexiertechnik die menschliche Zerrissenheit und Vergaenglichkeit darzustellen. Begegnet man seinen bildhauerischen Werken, bleibt man fasziniert stehen, traeumt, erinnert oder fantasiert.

In vielen Beitraegen hier auf Manafonistas sind begeisterte Stimmen z. B. ueber Musikstuecke von John Cage, Keith Jarrett oder von den 5 liebsten Musikerinnen von Michael zu lesen.

Wie sehr wir von der Kunst getroestet oder beglueckt werden wollen, sollten sich die Kuenstler vergegenwaertigen. Das ist doch der Auftrag! Und nicht vergessen: in der Kunst geht es immer weiter.
 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 29. Dezember 2015 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

4 Kommentare

  1. Jan Reetze:

    Auch unser Freund Brian Eno hat diese Frage einmal aufgeworfen, und zwar in einer Rede, die er bei der Verleihung eines Turner-Preises zu halten hatte.

    Nicht, dass Künstler dazu verdonnert werden sollten, ihre Werke zu erklären, aber wenn wir von der Wissenschaft erwarten, dass sie unseren Horizont erweitert und neue Perspektiven eröffnet, dann sollten wir das von der Kunst ebenso erwarten dürfen.

    (Nachzulesen irgendwo in Enos Tagebuch „A Year with swollen Appendices“, das ich gerade wiedergelesen habe. Es ist ansonsten nicht übermäßig gut gealtert, muss ich sagen.)

  2. Lajla:

    Gestern sang Neil Young in einer Sylvestershow „Born in the USA“, im Publikum saß Bruce Springsteen. Neil wirkte wie ein Kraftwerk auf mich, so stark und glaubwürdig. Mit seinen „Monsanto Years“ hat er wirklich viel zu sagen. Ein ganz großer Künstler.

  3. Hans-Dieter Klinger:

     

    Frederic Rzewski – coming together
     

    Tom Johnson – Failing
     

    leigraF

     

    etc …

  4. Lajla:

    Thanks Hans-Dieter that you uploaded Frédéric Rzewski, really nice music. I listened to it twice. The difference between music and paintings is, that a painting never has an end. You can watch it as long as you want.


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