Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2015 1 Dez

From Tusk Till Dawn

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | Tags:  2 Kommentare

In Paignton sassen wir in einem kleinen Cafe, in dem sich auch eine britische Hard-Rock-Band eingefunden hatte. Hiessen sie wirklich „Hot Chocolate“, wie es meine Erinnerung behauptet? Weitere Spuren haben sie nicht hinterlassen. Mehr als die dunklen Ringe unter den Augen des bärtigen Leadsängers interessierten mich die ranken Beine einer zukünftigen Hockeynationalspielerin aus Neuss. An einem Abend, es war ein paar Tage, nachdem ich vor Ort Neil Youngs After The Goldrush erstanden hatte, standen wir in einer langen Schlange, vor der Town Hall in Torquay, um Atomic Rooster und Fleetwood Mac zu erleben. Juli 1971. Peter Green war nicht mehr dabei, ich wusste noch, wie ich das erste Mal „Oh, Well“ gehört hatte und gleich unter einem Bann stand. 

Popmusik lehrte uns Teenager damals, was für eine aufregende Veranstaltung das Leben hinter heimischen Gartenzäunen und unerfüllten Lieben sein konnte, und dieser Song zählte für mich eindeutig zu den Dosenöffnern des Wunderbaren. Das Konzert von Fleetwood Mac war allerdings eine seltsame Enttäuschung, später wurden sie noch weltberühmter mit Rumours (das mich kalt liess) und Tusk, das ich mir kaufte, weil mir der Titel und das Cover so gut gefielen, und der Name der Band immer noch wie ein unerfülltes Versprechen wirkte. Aber waren sie nicht zum perfekten Mainstream mutiert, wie sollten sie mit den vier Songalben von Brian Eno konkurrieren können?

Also legte ich die Platte (ein Doppelalbum) auf, und jetzt kommt es: meine Erinnerung an Tusk ist komplett gelöscht. Tabula rasa. Nada. Rien. Less than a sweet nothing. Viele Jahre später hörte ich Leute von dem Album schwärmen, das viel unzugänglicher, experimenteller und verwegener als Rumours sei. Am kommenden Freitag habe ich ein „date“ mit Tusk, das Album erscheint als 5:1-Mix, auf Vinyl, mit allem Drum und Dran und Extras. Netterweise erhalte ich als Journalist das volle Paket und kann den neuropsychologischen Selbstversuch machen: ist die Musik von meiner Festplatte verschwunden, weil sie in meinen Ohren gänzlich uninteressant war, hatten meine beiden Lauscher einen schlechten Tag, oder werde ich ein kleines Wunder in den Farben des Covers erleben? Das wäre dann, auf dezente Weise, psychedelisch.

 
 
 

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 1. Dezember 2015 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

2 Kommentare

  1. Gregor:

    Diese Platte gehörte mal in Gregors Plattenschrank, aber sie wurde wieder verkauft, sie hat mir dann wohl doch nicht so gefallen. Und das hing definitiv nicht mit dem Cover zusammen (wie du vielleicht denken magst).

  2. Michael Engelbrecht:

    Wer hätte gedacht, dass ich FRAGILE von YES mag. Und du hast die Platte d o c h nur wegen dem unlustigen Hund verkauft. Phobische Reaktion.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz