Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2014 6 Dez

For my sentimental friends

von: Manafonistas Filed under: Blog | TB | 2 Comments

„The Carnival Is Over“

Der Karneval ist vorbei. Schmerzhaft bewusst wurde das Tom Springfield, dem Bruder von Dusty, als er in Rio de Janeiro den Flieger bestieg. Zurück in Australien, tröstete ihn ein Besuch des Osipov Orchesters in Melbourne. Der Klang der Balalaikas! Und da war diese eine Melodie, dieses eine Lied, dessen Titel nur unsere zahlreichen russischen Leser unfallfrei aussprechen können: „Iz-za ostrova na strezhen“, auch bekannt unter dem Namen „Volga, Volga mat‘ rodnaya“.

In den Neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts machte es die Welle in Russland – Dostojewski hörte es mit Genuss und liess es in eins seiner Mammutwerke einfliessen. Im Land der Wohnwagen und Tulpen ist es auch populär geworden, dort heisst es „Vol Verwachting Blijf Ik Uitzien“, und in der Kinderliedfassung „Aan de Oever van de Rotte“. Um diese alte Melodie herum bastelte Tom Springfield einen Song mit neuem Text und weiteren Verwandlungen, der ihm die Rechte sicherte und den Seekers einen No. 1-Hit bescherte, auch ausserhalb von „Down Under“, dem Land der meisten giftigen Tiere und Serienkiller pro Landstrich.

Ich erliege hemmungslos dem Charme dieses Filmchens – und dieses Liedes, das ich bislang gar nicht kannte. Wer genau hinsieht, erkennt auch, dass Aliens schon früh zum Bestandteil der Popkultur gehörten, man erkennt sie an dicken Hornbrillen und verzögerten Bewegungsabläufen. Wenn man den ersten Eindruck hinter sich lässt, der einem die ganze Geschichte etwas kitschig erscheinen lässt, kann man sich, ausgestattet mit einer dezenten sentimentalen Ader, dieser schwebenden Melancholie voll und ganz hingeben. Am Ende sieht man die drei Menschen und den Alien eine mir unbekannte Flugmaschine besteigen. Kurze Zeit später löste sich diese Gruppe auf.

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2 Comments

  1. Jan Reetze:

    Das gab’s auch mal auf deutsch: „Rastlos“, Jimmy Barber, 1962.

    Ein Song aus jenen Jahren, da deutsche Männer stets zu undefinierten Missionen hinaus in die Welt mussten, ohne Freund und ohne Liebe, fremde Sterne über sich am Himmel, ihre einzige Braut das Meer.

    https://www.youtube.com/watch?v=3wmARJ35pvc

  2. Michael Engelbrecht:

    Schon Freddy sang über den Jungen, der bald wieder kommen sollte. Zuviel fremde Sterne können Angst machen, und endlich im heimischen Hafen anzudocken, ein altbekanntes Glück bescheren.


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