Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

„Rayuela (Himmel und Hölle)“ sowie „Die Autonauten auf der Kosmobahn“ sind Bücher, die mein Leben beeinflusst haben. Ich habe alle seine Erzählungen verschlungen, keine Story mit Cronopien und Famen verpasst, und die Essaybände mit grösster Lust gelesen. Julio Cortazar war ein grosser Jazzfreund, und in seinem Eremiten-Paris hätte ich gerne gelebt, und ihm ab und zu eine neue Platte von Sonny Rollins vorbeigebracht. Volker Breidecker hat heute eine lesenswerte Hommage in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. Danke für diesen Text, Volker, du bist auch ein Cronopium. Mit meiner damaligen Geliebten bekam ich Riesenärger, als ich ihr von den „Autonauten auf der Kosmobahn“ vorschwärmte: wie können Menschen, die wissen, dass sie bald sterben werden, ihre letzte Reise auf einer Autobahn verbringen, in schmuddeligen Rastplätzen, und „shitty places“, wütete sie herum. Weil sie grosse Geister sind, und Humor haben, entgegnete ich ihr. K. und ich waren bald Geschichte („der Sex war gut, sweetheart, aber du warst eine Nervensäge!“). Suhrkamp hat den Klassiker in diesem Jahr neu aufgelegt. Und wenn Sie sich, liebe Leser, einmal an „Rayuela“ ranmachen (bei mir liegt immer noch eine Übersetzung, die ich Robert Wyatt schicken will), dann besorgen Sie sich grosse Mengen von Mate-Tee, und gehen einfach mal das Risiko ein, dass Ihr Lebensabschnittsgefährte sich von Ihnen trennen wird. Denn Sie werden für eine ungewisse Weile verschwinden im Pariser „Schlangenclub“, mitten in einem Haufen verrückter, schrulliger und unendlich liebenswerter Menschen. Ein paar scharfe Bräute sind auch dabei, die Celine und Julie aus dem alten Rivette-Film in nichts nachstehen, und, ja, ich zahle jetzt freiwillig, 10 Euro in die Macho-Kasse der Cronopien.

This entry was posted on Dienstag, 26. August 2014 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

3 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    “”Autonauts of the Cosmoroute” is a love story, an irreverent travelogue of elaborate tales and snapshots detailing Julio Cortazar and Carol Dunlop’s thirty-three-day voyage on the Paris-Marseilles freeway in 1982. Satirizing modern travel and the great explorers, this sparkling work pushes life and literature to surreal extremes.” So writes amazon about this paperback edition of the nonfiction-story of great Argentinian writer Jukio Cortazar and his partner Carol Dunlop. While traveling the highways of France with all those dirty motels and “Rastplätze” they celebrate life while knwowing they have to die soon from lung cancer. It’s one of my favourite books of all time. By the time I read it I had a girlfriend who nearly went furious when I was praising the book. – “How can these people move through these shitty places instead of visiting the great wonders of mankind like The Pyramids?!”

  2. Gregor:

    Hast du den Artikel von Volker Breidecker noch? Die SZ stellt ihn nicht im Netz zu Verfügung, noch nicht einmal für Voll-Abo-Empfänger. Geizkrägen!

  3. Michael Engelbrecht:

    Nur gelesen, wollte ihn aus dem Netz holen. Ich versuche, ihn zu kontakten, und sende dir das Teil dann … Schön, dass ihr wieder da seid. Du hast vielleicht gelesen, dass ich einen Horrortrip auf der Autobahn hatte. Schön, noch unter den Lebenden zu sein. Ehrlich. Keine meiner Stories. Schade, dass du nicht in Kristiansand bist. Dieser … 4AD blockt jede Unterstützung für ein Scott Walker-Interview, jetzt jabe ich englische Kontakte angezapft. Mal sehen, du weisst, mich reizen solche schwierigen Projekte …


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