Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2014 28 Mrz

Achtundzwanzig Drei Vierzehn

von: Uwe Meilchen Filed under: Blog | TB | 5 Comments

Das Musik hoeren, das Sich-Begeistern, das Erinnern, das Musik ausloest: ein weites Feld, und vieles waere zu sagen.

Jedes Wiederhoeren liebgewonnener Alben beeinhaltet gleichzeitig, den Moment oder die Momente vor sich zu sehen, als man diese Musik zum ersten Male hoerte – oder wieder gehoert hat. Seit dem ersten Hoeren ist Zeit vergangen; manchmal sehr viel Zeit. Der verstaendliche Wunsch ist: way back in time gehen – und wenn auch nur fuer zwei Seiten einer Vinylschallplatte.

Waren die Zeiten, an die man sich gerne erinnert, schoener? Nein, hier schuettele ich vehement den Kopf: sie waren nicht schoener, sie waren anders. Viele Menschen um einen waren noch da, und andere hatte man noch nicht aus den Augen verloren. – Das Leben, die Zeiten waren uebersichtlicher. Alben hatten eine laengere Haltbarkeitsdauer als heutzutage, wo spaetestens nach einem Vierteljahr bereits das Verramschen im nice price Segment einsetzt. Vom (zumeist digitalen) Ueberangebot, dem immer schriller werdenden Hype, der es einem fast unmoeglich macht, die Spreu vom Weizen zu trennen, ganz zu schweigen.

Das Treppengelaender der eigenen Erinnerung also nicht allzu fest umklammern, den Automatismus, der einen das vierzigste Album von einem Kuenstler kaufen laesst, weil man die anderen, neununddreissig Alben davor auch gekauft hat, auch mal vernachlaessigen? Nicht immer auf Nummer Sicher gehen, Alben anhoeren, die einem auch einmal harte Nuesse zu knacken mitgeben, Aufgaben stellen? Waere ja mal ein Vorsatz.

This entry was posted on Freitag, 28. März 2014 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

5 Comments

  1. Henning:

    Ja, die Zeiten waren anders, die Zeiten sind anders. Vor allem aber: je nachdem, wann man und wo man die Zeit(en) betreten hat, erlebt man sie anders, erinnert man sie anders, lebt man anders mit und zwischen ihnen. Wir werden zwar medial gleichgeschaltet, aber doch! Doch bleibt das einmalige Meinerleben der Kern des Ganzen (an dem auch die Medien immer wieder ansetzen müssen mit ihren Aussaugen).

    Gestern bei einer Recherche nochmals festgestellt: das Fillmore-East in New York funktionierte ganze DREI JAHRE, was selbst aus heutigem Zeiterleben verdammt kurz ist. Drei Jahre von 1968 bis 1971 und dann war der Zauber vorbei. Und was heisst das?
    Was heisst das angesichts der Sachen, die noch immer als scheinbares Nachglühen auf den Markt kommen. Wie das Bootleg-Ding (wieso nennt man ein Reissue Bootleg) mit den Sachen von Miles Davis aus dem Fillmore-East, die gerade wieder herausgekommen sind.

    (Viel) interessant(er) in diesem Zusammenhang Wolfgangs Fundgrube

    http://www.wolfgangsvault.com

    Nachlassenschaften des Berliner Wolodia „Wolfgang“ Grajonca (1931-1991), der sich nach seiner Kriegszeiten-Odysee von Berlin in die Bronx, wo er als jüdischer Halbwaise 1941 ankam, mit 18 den Namen Billy Graham zulegte. Der Rest vor allem um Fillmore-West und Fillmore-East dürfte einigermaszen bekannt sein. Alfred Lion, Max Margulis, Francis Wolff, Billy Graham …

  2. Uwe Meilchen:

    Und es kommt natuerlich noch etwas hinzu: der leicht spuerbare Altersunterschied. Zu der Zeit, als ihr stapelweise ECM_Vinyl und aehnliche Meilensteine aus Pop, Rock und Jazz aus dem Plattenladen eures Vertrauens getragen habt, habe ich auf einem kleinen Stuehlchen in der Grundschule gesessen ! Ihr habt da einen Kenntnisvorsprung an Alben, der nur schwerlich aufzuholen ist. Der Hase und der Igel, remember?

  3. Henning:

    Ja, das stimmt. Nein, das stimmt nicht. Beim Zurückgucken hält man die Welt/Zeit immer ein bisschen an. Gehört dazu und kann man machen. Aber sie, die Welt/Zeit, dreht sich trotzdem weiter.
    Und das merken viele der älteren Generation nicht (oder besser, sie wollen es nicht merken). Aus der Diskrepanz ergibt sich der Vorsprung der nachfolgenden Generation. Irgendwo dazwischen kann man sich aber treffen!

  4. Michael Engelbrecht:

    Manche Musiker ereilt Ähnliches: sie verwalten ihre Funde von einst, und leben von der Patina, die sich immer mehr verdichtet, und nicht zu ihrem Besten, da die Essenzen schon lange ausgeglüht sind. Jan Garbarek und Keith Jarrett sind solche Zeitschleifenstreuner. Da ist das alte Vinyl unschlagbar:)

  5. Henning:

    ‚Zeitschleifenstreuner‘, den Ausdruck sollte man ins noch zu startende Lexikon der N/W/Sichtigkeiten aufnehmen!


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz