Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2014 13 Feb

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (64)

von: Gregor Mundt Filed under: Blog | TB | 9 Comments

Paul Bley Teil 4

 

Paul Bley zum Vierten, ist nicht endlich mal gut? Womöglich ein fünfter Teil zum Thema Paul Bley? Der würde sich zwar lohnen, ich möchte das aber zurückstellen. Nur eine Ergänzung noch: Im Zuge meiner Recherche in Sachen Plattenveröffentlichungen von Paul Bley, habe ich tatsächlich noch manche Überraschung erlebt. Eigentlich war ich der Meinung, die wichtigsten Werke des Meisters im Plattenschrank zu vorzufinden, weit gefehlt. Hätte man mich beispielsweise vor vier Wochen jemand gefragt, ob Paul Bley je eine Doppel-LP veröffentlicht hätte, ich hätte das vehement verneint und wäre auch fast jede Wette bezüglich diese Frage eingegangen. Nun, Bley hat tatsächlich eine Doppel-LP veröffentlicht, aber nur in den USA und Kanada. Natürlich sollte diese Platte in meinem Plattenschrank nicht fehlen und tatsächlich habe ich in den Staaten jemanden gefunden, der mir die Platte bestens erhalten besorgen konnte.

 
 
 

 
 
 

Dieses umwerfende Gemälde ziert die Front- und Rückseite der Platte: Man sieht Paul Bley in einer holländisch anmutenden Landschaft am spielend Flügel sitzen, neben ihm ein Weiher, Enten, Schwäne, Tulpen in verschiedensten Farben….das ganze strahlt fast einen paradiesischen Frieden aus. Wer die Bandbreite der Covergestaltungen von Platten des Meisters kennt, hat ja schon viel gesehen, dieses Schallplattencover fällt aber nun wirklich aus dem Rahmen. Dennis Pohl war für die Cover Art zuständig. Der 1941 in Milwaukee geborene Künstler lebt in San Miguel de Allende in Mexiko. Jazzplatten hat Pohl eine ganze Menge gestaltet, wer sich einen Überblick verschaffen möchte – es lohnt sich -, geht auf folgende Seite: https://www.dennispohl.com/openframe.html oder auf https://www.saatchiart.com/.

 

Zur Musik: auf der DoLP finden sich fünf Kompoisitionen von Annette Peacock – Cartoon, Touching, Both, Blood und Mister Joy, die beiden letzten Titel nehmen jeweils eine ganze Plattenseite ein, Mister Joy ist gar 24:30 Minuten lang; zwei Kompositionen stammen von Carla Bley, Start und Closer und nur eine von Paul Bley, nämlich Mazatalan. Schön, dass der Hörer auch etwas über die Geschichte dieser Aufnahmen und ihrer Veröffentlichungen erfährt, so heißt es im Platteninneren: Sides one and two were recorded in Copenhagen, Denmark on November 5, 1965. Sides three and four were recorded in Haarlem, Holland on November 4, 1966.  (Note: This version of „Closer“ is released here for the first time. All other selections on sides one and two were issued in Europe on the Fontana and Debut labels as „Touching.“ Sides three and four were released in Europe on the Polydor International label as „Blood: Paul Bley in Haarlem.“ None of this material has evere been issued in the United States.) Folgende Musiker sind neben Bley zu hören: am Bass Kent Carter auf den Plattenseiten eins und zwei Mark Levenson auf der dritten und vierten Plattenseite. Schlagzeug spielt Barry Altschul. Tolle Entdeckung, diese Doppel-LP!

 
 
 

 

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9 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Alte Meister bei den Manafonistas: Paul Bley und Don Cherry. Haben die Zwei nicht mal auf einer Platte, ganz früh, zusammen gespielt? Ich hab da so eine blasse Erinnerung an etwas Gelesenes, dieses Treffen selber, wenn es eines gab, habe ich nie als Schallplatte besessen.

  2. Michael Engelbrecht:

    Wirklich das farbenfrohste Cover seiner Karriere. Man müsste mal die buntesten Cover der Jazzhistorie vorstellen, die zugleich auch Klassealben sind: das hier, dann Eternal Now, Bitches Brew, …

  3. Michael Engelbrecht:

    Ah, Gregs, ich habe es gefunden: THE FABULOUS PAUL BLEY QUARTET (oder Quintet) – mit Don Cherry. Hast du das Teil, und wie ist die Musik ? Henning, weisst du da auch was? Selten erwähntes Opus.

  4. Gregor:

    The Fabulous Paul Bley Quintet heißt die Platte und dabei sind Don Cherry, Ornette Coleman, Charlie Haden und Billy Higgins; aufgenommen wurde die Lp im Herbst 1958. Folgende Titel befinden sich auf der Platte:
    1. Klactoveesedstene (C.Parker) 11:45 2. I Remember Harlem (R.Eldridge) 4:50 3. The Blessing (O.Coleman) 10:30 4. Free(O.Coleman) 5:30

    Und jetzt das schlimmste: ich hab die Platte nicht.
    Ich gehe auf die Suche …

  5. Michael Engelbrecht:

    Und wie gefällt dir die musik des Doppelalbums, Gregs?
    Guter Sound, oder bescheidener Sound bei den Live-Dokumenten?
    Und die langen Versionen: ganz grosse Musik. Wenn der Sound stimmt, gehe ich auch auf die Suche.

    Aber auf keinen Fall kann nach meinem Empfinden das Kunterbunte der Cover in irgendeiner Weise mit Bleys Spielstil kompatibel sein, also nur ein Blickfang aus den Blütenzeiten von Pop-Art und anderen Schrillheiten?

  6. Gregor:

    Die Musik ist größtenteils ziemlich free, wie eben Bley zu der Zeit gespielt hat. Die beiden langen Live-Dokumente sind von der Qualität der Aufnahme sicherlich auf der Höhe der Zeit (1966), ich kenne allerdings, was die Aufnahmequalität angeht, aus diesem Jahrzehnt durchaus bessere Mitschnitte. Blood ist wiederum ein recht frei gespieltes Stück, während Mister Joy durchsichtiger, eingängiger gespielt wird, für mich der Höhepunkt der DoLP.
    Das Bunte der Platte hat wirklich rein gar nichts mit dem Spielstil von Bley zu tun, nein, man erkennt Paul Bley nach Sekunden des Hörens bei jedem Stück sofort wieder. Wenn überhaupt die Musik mit dem Cover etwas zu tun hat, dann ist es der Aufnahmeort: Haarlem in Holland.

  7. Gregor:

    The Fabulous Paul Bley Quintet mit Don Cherry, Ornette Coleman, Charlie Haden und Billy Higgins
    ist für 84,09 Euro plus Versandkosten bei amazon zu haben. Verrückt. Ich schaue weiter!

  8. Gregor:

    Habe The Fabulous Paul Bley Quintet gerade ersteigert. Sobald die Platte eingetroffen ist und gehört wurde, erfolgt Bericht!

  9. Michael Engelbrecht:

    Für 500 Dollar?? :)


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