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Archives: João Bosco

 

Sein Name erinnert in unseren Breiten weniger an eine Rose als vielmehr an eine der nahrhaften, guten alten Apfelsorten und deshalb gilt: ein Bosco bleibt ein Bosco bleibt ein Bosco, in seiner ganzen Heimatverbundenheit und weltläufigen Vielseitigkeit. Der aus Minas Gerais stammende brasilianische Sänger, Gitarrist und Komponist war ursprünglich Bauingeneur. In seinen stilprägenden Liedern, die im Laufe der Jahre geradezu identitätsprägende Hymnen einer Nation geworden sind, ist neben bodenständigen Bauchgefühl auch die Neigung zum konstruktiven Tüfteln zu vernehmen. Bereits vor dreissig Jahren begeisterten mich seine afro-inspirierten Alben und boten geradezu eine Zuflucht in ein musikalisches Anderswo. Das Gitarrenspiel hatte Elemente von Bossa Nova, Klassik, afrikanisch akzentuiertem Rhythmus und trägt auch Nuancen von Jazz und Fusion. Auch der Gesang erinnert stellenweise an Al Jarreau und deutet auf ein grenzenübergreifendes archaisches Urbedürfnis hin, auch mit der Stimme rhythmisch zu akzentuieren. Sein unvergleichliches Livealbum Obrigado Gente bot einen Zusammenschnitt seines Schaffens: im Kern aus der Band Nosso Trio um den fantastischen Drummer Kiko Freitas herum arrangiert, mit honorigen Gästen wie dem Perkussionisten Armando Marcal (der ja auch zu Pat Metheny Band lange gehörte) und dem Sänger Djavan. Nun stelle ich mit Freude fest, dass schon vor fünf Jahren erneut ein gutes Album entstand und bin baff, welch hörenswerte Stücke darauf zu entdecken sind. My favorite things (singt er übrigends ebenso wie „Blue in Green“) are: das an einen aus dem kargen Nordosten Brasiliens stammenden Musikstil angelehnte Stück „Forró em Limoeiro“ und das wunderbare „Horda“, in dem die israelische Klarinettistin Anat Cohen (Schwester eines ebenso namhaften Jazztrompeters, by the way) zu hören ist. Und Kiko Freitas ist immer noch in Topform.

 

2012 18 März

João Bosco – ein Sänger aus Minas Gerais

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João Bosco hat über die Jahre hinweg auf einem spannenden Entwicklungsweg Verblüffendes hervorbracht. In einer Mischung aus afrikanischen, arabischen, fusion-jazzigen, stimm- und rhythmusakrobatischen Elementen – und der dazu gehörigen Portion Bossa Nova e Samba, zauberte er ein Gesamtwerk, das bei einer Konzertaufzeichnung in São Paulo im Jahre 2006 seinen reifen, meisterlichen Höhepunkt fand: „Obrigado, Gente!“ – mit hervorragenden Begleit- und Gastmusikern an seiner Seite.

Die Songs des Sängers stehen auch in der Tradition versierter brasilianischer Gitarrenkunst (Baden Powell, Gilberto Gil). Sie sind grossenteils in Zusammenarbeit mit dem Dichter und Psychiater Aldir Blanc entstanden. Märchenhafte und tiefenpsychologische Bilder verbinden sich mit Alltagsgeschichten, eine üppige Sprache verwebt sich mit Strassen-Slangs

In Boscos Heimat Minas Gerais, dort wo man Edelsteine (pedras preciosas) findet und verkauft; in den Gassen Ouro Pretos mit barocken Kirchen, Häuserprachten; in einer atemberaubenden bergigen Landschaft; wo die Mittagshitze brennt wie in einem Western on high noon – dort träumt man gerne auch mal vor sich hin.

Ein Lied aus João Boscos aktuellem Album ist das meditativ-minimalistische und afrikanisch akzentuierte „Tanajura“, im Sieben-Achtel-Takt, mit wunderbar dezenter Perkussion. Der Titel der CD verkündet: Não Vou Pro Céu, Mas Já Não Vivo No Chão – „Im Himmel bin ich noch nicht angelangt, doch aus der Gosse bin ich raus“. Das ist wohl weniger biografisch als vielmehr humorvoll und emphatisch gemeint. Doch es stimmt: so manche Vergangenheit sollte man besser hinter sich lassen. Der Himmel hingegen kann warten. 

 

João Bosco: ”Tanajura”


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