Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2026 24 Aug.

Reminiszenz

von: Ursula Mayr Filed under: Blog | TB | No Comments

 

 

WÖLFE IM MAI

August der Schäfer hat Wölfe gehörtWölfe mitten im Mai, zwar nur zwei Doch der Schäfer der schwört Die hätten zusammen das Fraßlied geheult Das aus früherer Zeit, und er schreit Und sein Hut ist verbeult Schreit: „Rasch, holt die Sensen sonst ist es zu spät Schlagt sie tot, noch eher der Hahn dreimal kräht“ Doch wer hört schon auf einen alten Hut Und ist auf der Hut?
Und ist auf der Hut?
August der Schäfer ward nie mehr gesehenNur sein alter Hut, voller Blut Schwamm im Bach, circa zehn Hat dann später das Dorfhexenkind Nachts im Steinbruch entdeckt, blutbefleckt Und die Schnauzen im Wind Dem Kind hat die Mutter den Mund zugehext Hat geflüstert: „Bist still oder du verreckst! Wer den bösen Wolf nicht vergisst, mein Kind Bleibt immer ein Kind –  bleibt immer ein Kind“
Schon schnappten die Hunde den Wind, und im HagRochen Rosen nach Aas – kein Schwein fraß Eulen jagten am Tag Hühner verscharrten die Eier im Sand Speck im Fang wurde weich –  aus dem Teich Krochen Karpfen ans Land Da haben die Greise zahnlos gelacht Und gezischelt: „Wir haben’s ja gleich gesagt Düngt die Felder wieder mit  altem Mist Sonst ist alles Mist,
Sonst ist alles Mist“
Dann zu Johannis beim FeuertanzfestKeiner weiß heut‘ mehr wie – waren sie Plötzlich da, aus Geäst Sprangen sie in den Tanzkreis, zu schnell Bissen Bräute ins Gras, und zu blass Schien der Mond – aber hell Hell brannte Feuer aus trockenem Moos Brannte der Wald bis hinunter zum Fluss „Kinder, spielt, vom Rauch dort wissen wir nichts Und riechen auch nichts,
Und riechen auch nichts“
Jetzt kommen die Zeiten, da heißt es herausMit dem Gold aus dem Mund – seid klug und Wühlt euch Gräben ums Haus Gebt eure Töchter dem rohesten Knecht Jenem, der noch zur Not nicht nur Brot Mit den Zähnen aufbricht So sang der verschmuddelte Bauchladenmann Und pries Amulette aus Wolfszähnen an „Wickelt Stroh und Stacheldraht um den Hals Und haltet den Hals,
Und haltet den Hals“
Was ist dann doch in den Häusern passiert?Bisse in Balken und Bett –  welches Fett Hat den Rauchfang verschmiert? Wer gab den Wölfen die Kreide, das Mehl Stäubte die Pfoten weiß? Welcher Greis Glich dem Ziegengebell? Und hat sich ein siebentes Geißlein versteckt? Wurden Wackersteine im Brunnen entdeckt? Viele Fragen, die nur einer hören will Der stören will,
Der stören will
Doch jener Knecht mit dem WildschweingebrechHeute ein Touristenziel – weiß wie viel Da geschah, aber frech Hockt er im Käfig, frisst Blutwurst und lacht Wenn man ihn fragt und nur  – Schlag Null Uhr Zur Johannisnacht Wenn von den Bergen das Feuerrad springt Die Touristenschar fröhlich das Fraßlied singt Beißt er wild ins Gitter, schreit: „Schluss mit dem Lied! S´ist ein garstig‘ Lied
S´ ist ein garstig‘ Lied“
August der Schäfer hat Wölfe gehörtWölfe mitten im Mai, mehr als zwei Und der Schäfer, der schwört Die hätten zusammen das Fraßlied geheult Das aus früherer Zeit, und er schreit Und sein Hut ist verbeult Schreit: „Rasch, holt die Sensen sonst ist es zu spät Schlagt sie tot, noch ehe der Hahn dreimal kräht“ Doch wer hört schon auf einen alten Hut
Und ist auf der Hut?
Und ist auf der Hut?

Dieses Lied komponierte Franz Josef Degenhardt 1965, als die 1964 neugegründete NPD zur Wahl antrat und es 1969 mit 4,3 % fast in den Bundestag geschafft hätte.

Die Plattencover wurden illustriert von seiner Schwägerin Gertrude Degenhardt.

This entry was posted on Montag, 24. August 2026 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

No comments yet.

Leave a comment

XHTML allowed tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Mit dem Absenden akzeptiere ich die Übermittlung und Speicherung der Angaben, wie unter Datenschutz erläutert.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz