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on life, music etc beyond mainstream

2025 29 Dez.

Ein frischer Gilligan

von: Jochen Siemer Filed under: Blog | TB | 7 Comments

 
 

„Pluribus“ bedeutet viele, die Vielen (so zumindest meldet es das autobiografische Gedächtnis einem alten Lateiner) oder wie Hauptdarstellerin Rhea Seehorn alias Carol Sturka sie nennt: „The Others“, the afflicted. Die neue Staffel des Drehbuchautors Vince Gilligan folgt den bahnbrechenden Fernsehserien Breaking Bad und Better Call Saul. Hier steht aber nicht die Gewalt von Drogenkartellen im Vordergrund, sondern eine seltsame Veränderung der Menschen, denen die Individualität abhanden kam. Dies bietet eine Fülle von Assoziationen zur gegenwärtigen Lage: Propaganda-Medien, digitale Verdummung (der leider verstorbene französische Philosoph Bernard Stiegler nannte es die „Entropie durch den Gebrauch digitaler Medien“), sich einschleichende Gängelung durch Algorithmen. Der Drehort bleibt Albuquerque, in New Mexico gelegen, der an sich schon eine Show ist und auch sonst kommt das Sehvergügen (Thanks to tough Mrs. Seehorn!) nicht zu kurz. Gerade jetzt zur Winterszeit bietet also Pluribus auch eine günstige Alternative für all jene, die nicht den Flieger in die Karibik nehmen konnten, mittels Streaming-Abo doch noch dem Winterblues zu weichen. Auch zeigt sich wieder einmal der typisch-geniale und lang vermisste Gilligan-Witz, der in seiner eigenen Liga spielt. Erzählt wird nämlich nicht nur wie üblich eine Geschichte. Neben der Handlung mit Helden und Happy End (oder schlechtem Ausgang) sprechen nämlich hier erneut die Dinge für sich auf eine Weise, die auf das eigene Gehirn wie Dopamin wirkt. Staffeln wie Trüffel: auf das sie niemals enden mögen! Und so bleibt, ganz der zauberhaften Landschaft und dem weitem Lichthimmel von New Mexico angemessen, am Ende, wenn der Vorhang fällt und alle Fragen offen bleiben, mindestens Eines: gute Laune.

 

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7 Comments

  1. Karsten:

    Verspäteter Weihnachtsgruß

  2. Ursula Mayr:

    Serienjunkie bin ich ja nun keiner – mir ist etwas Angst um die Zeit – qualitativ sind die ja allemal besser als das Tagesprogramm, aber ob ich mit diesen Zerdehntheiten hier zurecht komme?

  3. Jochen:

    Klar Uschi, verständlich. Serien haben andere Möglichkeiten als Filme – teilweise bessere.

  4. Ursula Mayr:

    Ja, die Kundenbindung!

    Aber auch für einen selber – kein Verabschieden, sondern ein Begleitetwerden.

  5. Feat. special guest Michael E.:

    „Since it launched in 2023, critics have cast around for shows resembling Blue Lights. It’s usually a good sign when nothing much springs immediately to mind. There are traces of Line of Duty’s intense pocketbook precision. Its ensemble cast maintaining an uneasy balance between work and domesticity occasionally recalls 1980s US classic Hill Street Blues. But increasingly, it bears comparison to HBO’s Baltimore epic The Wire. It is constructing a loving, despairing, characterful portrait of a city. It examines dysfunctional municipal systems through the perspectives of the people trying to work within them. Each season builds on the work of the last, creating a richer, fuller picture. And it finds big contexts for its smallest constituent parts. To borrow The Wire’s tagline, in Blue Lights, all the pieces matter.“

    Phil Harrison, The Guardian

    Und hier noch mein Serienrückblick:

    Deep Watching 2025 (und ein bisschen davor) –
    masterclass serial storytelling

    1. Blue Lights Season 3
    2. Adolescence
    3. Families like Ours – nur mit euch
    4. Criminal Record
    5. Dying For Sex
    6. John Sugar
    7. Blue Lights Season 1
    8. A Thousand Blows
    9. Blue Lights Season 2
    10. Pluribus
    11. Spuren
    12. Dope Thief

    (m.e.)

    Zwei Neuentdeckungen älterer resp. sehr alter Filme, die ich nie zuvor gesehen hatte, und die mich trotz des mittlerweile beträchtlichen zeitlichen Abstands entweder vollkommen „umgehauen“ haben: („Passagiere der Nacht“ mit Charlotte Gaisbourg, preiswert auf DVD)) – bzw, mit seinen alten Charme und der rauen See mitrissen: („I Know Where I‘m Going“ (England 1945, auf youtube im Original)…

    Und wer mal ein allerfeinstes Feelgood Movie sehen möchte, tue dies auf Prime für ein paar Dollar: The Ballad Of Wallis Island! Herzerwärmend mit und ohne Tannenbaum…

    Weil hier bei den Mädels und Jungs von der Shiloh Ranch so viele John Wayne Freunde unterwegs sind😉, zumindest „lovers of old Western movies with a beating heart“, empfehle ich einmal mehr „True Grit“ (kein Scheiss – das Original mit Mr. Wayne ist fast so gut wie das Remake der Coens) sowie den Klassiker „Shane“ (den nicht viel kennen und leicht mit „Shenandoah“ verwechseln) – all das – für einen oder mehrere gemütliche Abende mit Steak, Whiskey und Bohnen!

    Immer sportlich bleiben, CHEERS!

    M.E.

  6. Zugabe von M.E.:

    Ich vergass eine andere echte Entdeckung eines US Films von 1947 oder 48. ROAD HOUSE, mit Ida Lupino. Auf youtube zu sehen:

    https://www.youtube.com/watch?v=0Sdd-0HQYUQ

    Der spannendste Teil meines Zoom Interviews mit Rickie Lee Jones vor zwei Jahren war der, in dem sie ihre Liebe zu den Filmen mit und der Stimme von Ida Lupino zum Ausdruck brachte… und sie erzählte und erzählte, dass es eine helle Freude war. Das letzte Album von Rickie Lee ist rundum klasse, nebenbei bemerkt, mit all seinen „film noir“ Schwingungen, die wir im Gespräch darin ausmachten.

  7. Zugabe 2::

    Ich vergass die kontrovers besprochene, aber mich voll überzeugende dritte Staffel von THE WHITE LOTUS.

    Die vierte Staffel word in Paris gedreht. Challenging. A votre santé!

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