Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2021 5 Sep

John Paul Jones and Helge Sten vs. „Stairway To Heaven“ (2011)

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | No Comments

Punkt 2011. Zwei Gitarren wie die schwarzen Körper eines Schattenspiels im Abseits. Die Choreographie des Lichts lässt das Duo wie Geister eines asiatischen Puppenspiels erscheinen. Die Musik des Duos „Minibus Pimps“ verhält sich zu jenem Oldie von Led Zeppelin wie „Metal Machine Music“ zu „Walk on the Wild Side“. Die Zwei machen Gebrauch von „Kyma“, einer Computer-Musik-Sprache, mit stets unerwarteten Algorhythmen.

Ich habe selten unter Live-Bedingungen ein dermassen klar konturiertes, dramaturgisch perfekt inszeniertes Stück Geräuschmusik gehört. Noise, ein alter Hut der Avantgarde, aber von „Minibus Pimps“ mit neuen neuen Arealen versehen.

Die Musik lässt dir drei Möglichkeiten: du verlässt zügig den Saal, du bist von Anfang an gebannt (die Hard-Core-Freunde der Noise-Ecke erhalten eine Erinnerung fürs Leben), oder du wartest die Zeit der anfänglichen Widerstände ab (meine Gruppe). Ich spüre, mit welcher Akkuratesse hier obertonreiche Frequenzfelder bearbeitet werden (alle Freunde von Christian Fennesz kriegen hier große Ohren), und setze mich weit nach vorne.

Das ist keine seelenlose Demonstration eines Computerprogramms: Klänge werdenentfesselt, die alte Strömungen der „Drone-Musik“ aufgriffen und in einem Septemberabend des Jahres 2011 katapultieren. Zweimal entfacht das Duo einem  heftigen Sturm (Windstärke 13): wer nicht die Flucht ergreift, horcht auf, wenn Geräusche auf einmal melodiös wirken. Ein würdiges Finale (heute werden keine Gitarren mehr verbrannt, heute werden ein paar wilde Seelen aus Maschinen gelockt! Dies ist das letzte Konzert auf der großen Bühne des Agden Theaters!

Helge Sten scheint sich an seine „Dark Ambient“-Werke als „Deathprod“ zu erinnern; John Paul Jones schien die Wildheit einer alten Zeit anzuzapfen. „It´s better to burn out than to fade away.“ 

Ein Tag später: ein entspannter John Paul Jones mit seiner Partnerin neben mir am Flugschalter. Ist es sonderlich beruhigend, mit einem Mann in einem Flugzeug zu sitzen, der einige Stunden zuvor den „Stairway To Heaven“ in seine altehrwürdigen Einzelteile zerlegt hatte. Auf seinen Gesichtszügen ein versonnenes Lächeln – was kann da noch schiefgehen?! 

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