Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

  

ECM50 | 1981 – Ingo’s portrait of Meredith Monk

 

[…] I just watched the video and I believe that it is the best documentary that has ever been made about my work. […] all your choices are exquisite, sensitive and true. It is beautiful both visually and musically. I am overjoyed and profoundly grateful to you. – MM

 

 

 

Ich erinnere mich, wie ich vor Jahren, als sie schon 74 Jahre auf dem Planeten war, ihr  Album  ON BEHALF OF NATURE  hörte –  es dreht sich um Natur, Evolution, Klimawandel, Zerstörung, Transformation; die Kompositionen bleiben auch in diese, Terrain ein Akt der Beschwörung, des Eindringens, nie der Belehrung. Ich erinnere mich an den Abend, auch, weil ich einen Kerzenständer mit allen Merkmalen des Jugendstils auf dem Flohmarkt erstanden hatte, natürlich nur ein Imitat, aber wunderbar verspieltes Design, das im Dunkeln meinen Raum in warmes Licht tauchte.

Ich erinnere mich manchmal auch an meine Begegnung mit Meredith Monk, zu Beginn der Neunziger, im Künstlerraum der Düsseldorfer Tonhalle. Da klang einiges von dem an, was sie Ingo in noch grösserer Ruhe, und mitunter weiter ausholend, erzählt. Es gab auch Interessantes aus frühen Jahren, Episoden der Jugendzeit, aber zu sehr in Wolken gehüllt, um mich zuverlässig zu erinnern.  Es ging ihr schon damals um das Finden der eigenen Sprache. Als einmal die Rede kam auf ihren Freund Colin Walcott, der etliche Jahre zuvor bei einem Verkehrsunfall in der alten Bundesrepublik ums Leben kam, hielt sie inne. Tränen, ein privater Moment.

Als wird dann zu  einigen meiner Lieblingsalben der Amerikanerin kamen, ihre ersten zwei ECM-Alben DOLMEN MUSIC, und DO YOU BE etwa, oder zu der magischen Zeitreise BOOK OF DAYS (um die das Gespräch am ausführlichsten kreiste), öffneten sich nach und nach weitere Einblicke im ihre Arbeitsweisen, etwas von der Struktur der Magie. Wer sich mal auf eines ihrer Alben einlässt, mit Haut und Haar sozusagen, merkt vielleicht, wie diese Songs immer wieder die Grenzen von Avantgarde und Archaik auflösen. Und, was viel wichtiger ist, dass wir in keinem Elfenbeinturm zu Gast sind, vielmehr seltsam heimisch werden wir im fremdesten Raum – da ist einfach jemand, der ein paar Lieder singt und dabei, en passant, den einen und anderen inneren Horizont freilegt.

Michael Engelbrecht


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz