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Kevin Morby: This Is A Photograph

 
 

Und plötzlich stockt der Fluss der Zeit. Als sein Vater einen Herzinfarkt erlitten hatte, stolperte Morby über ein altes Foto des Patriarchen (der sich glücklicherweise erholte) in seiner Blütezeit: Brust raus, oben ohne und – wie der begnadete Texter in dem stampfenden Wirbel des Titeltracks erinnert – „bereit, es mit der Welt aufzunehmen“ (natürlich singt er dies in nicht ganz Kentuckyfreiem Amerikanischen Englisch). Später im Song blättert Morby zu einem anderen Familienfoto, das seine „Mutter im Rock / Im kühlen Staub von Kentucky / Lachend im Garten“ zeigt, und spekuliert, dass „der Schimmer in ihren Augen“ … zu sagen scheint: „Das ist es, was ich am Leben vermissen werde’“

Kevin Morby wäre in den Siebziger Jahren wohl einer der grossen Stars des Amerikanischen Songwriting geworden, aber, nun denn, als Nachgeborener, lernte er seine Lektionen von Dylan, Reed, Cohen und Co. – die facttenreiche und fulminante und mitunter sanft taumelnde Klangwucht ist nie verdächtig, in falschen Pathos zu versinken, zu sehr geistern diverse gelebte Leben durch sein Werk. „Vorsicht, zerbrechlich“: das Prädikat scheint jedem dieser Songs anzuhaften. Und man muss auch nicht immer die Einflüsse aufführen. „This Is A Photograph“ ist ein echer Morby.

Die Zeit, so erinnert uns Morby, ist „der unbesiegte, der Schwergewichts-Champion“, also nehmt alles hin. „Bittersweet, TN“, ein Duett mit Erin Rae, bringt es auf den Punkt, wenn er singt: „The living took forever, but the dying went quick.“ Mit Eric Johnsons Banjo allein wäre der Song ein sanfter Folk-Klassiker; als die Streicher einsetzen, wird er zu etwas Besonderem. Am Ende des Albums, in „Goodbye to Goodtimes“, besucht Morby noch einmal die Stadt namens Bittersweet und reduziert den Sound auf seine Gitarre und Sam Cohens Lap Steel und Tamburin. Er blickt auf ein weiteres Foto, „ein Fenster zur Vergangenheit“, und versucht, etwas festzuhalten, von dem er weiß, dass es ihm immer wieder entgleiten wird.

 

 (m.e.)


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