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Kreidler: Spells and Daubs (bureau b)

 

In a year of the moon, Kreidler have produced the album SPELLS AND DAUBS. In a year of the moon – and in a year with 13 moons. Such years are known for not being the most comfortable.“

In September 2020 the band met for exploratory sessions and initial recordings in Düsseldorf, in the familiar settings of the Kabawil Theater. That already has a certain tradition. The impetus this time was a solitary gig in the conspicuously spacious surroundings of the (former) Philipshalle. In a year that threw everyone back on themselves. Over the winter Kreidler worked remotely, sifting through the material, arranging the pieces, adding textures and contours. They met again in the spring of 2021 for further recordings at the Uhrwerk Orange studio in Hilden, near Düsseldorf. That, too, has a certain tradition. From fifteen pieces they filtered out ten, and thus held an album in their hands. Then – and this is new – they took it to London, to Peter Walsh, so that he could mix the tracks.

 

(bureau b press info)

 

 


Nachdem ich mit einem nächtlichen Griff ins Leere die Nadel meines Tonabnehmers gekillt habe, und das geniale Machiavelli Gold Note Red MK II vollwertig ersetzt werden muss, werde ich zum High End-Händler meines Vertrauens reisen müssen, zu Loftsound,  ins schöne Arnsberg, der gleich meinen Dreher Vpi Prime einer Inventur unterziehen kann.

 

Nachdem auch mein Toyota aufgrund eines grossen Missgeschicks sein Leben ausgehaucht hat (er wäre sonst ewig gelaufen), der danach erstandene Golf 4 Motorbrand hatte, wird 2022 ein „big spender-year“, und der neue Yaris, metallic blue, wartet schon auf mich.

 

Und so läuft heute, nicht auf Vinyl, sondern als CD, die erfrischende wie abenteuerliche neue Arbeit von Kreidler. Gibt es Pioniere der Post-Krautrock-Ära?  Dann gehören sie dazu!  Einmal hatte ich sie alle im Deutschlandfunk in einer Live-Sendung versammelt, und ich brachte auch die Sprache auf Relikte der guten alten BRD. Hatte jemand von euch mal ein Kreidler-Moped?

 

Erinnert euch: Kreidler stellte bis in die 1980er-Jahr Mopeds, Mofas, Klein- und Leichtkraftröder von 50 bis 80 cm³ Hubraum her. Mit der ab 1951 produzierten K 50 hatte Kreidler zusammen mit Rex erster Hersteller aus dem  Fahrrad mit Hilfsmotor ein werksseitig darauf ausgerichtetes Fahrzeug der 50er Klasse geschaffen. Die K 50 hatte vorn eine Teleskopfedergabel, das Hinterrad war ungefedert.

 

Ja, das waren noch Zeiten. Ich mit dem K 50  in der Gleichmannstrasse 10, bei jazz by post ein paar ECMs eingetütet, 1977, und dann ein paar Häuser weiter im Wirtshaus „Zur Post“ mit meiner Liebsten eine Gerstenkaltschale getrunken, im Pasinger Hochsommer. Wir im Englischen Garten, wir in Robert Altmans „Nashville“ im schönsten Kleinkino Schwabings. Jetzt sitze ich auf meiner Petrol-Couch und fliege durch Kreidlers  Musikwelten.

 

Ein Hauch hand-made, eine Portion analog, und es ziehen mich all diese gesammelten und frisch erfundenen retrofituristischen Kirmesklang- und In-Between-Schauerwelten  (aber sowas von!) in sanfte Höhen, dass ich mich zwischendurch frage: „Hallo, was habe ich denn heute geraucht?

 

Da sind durchaus Prisen von Cluster, Harmonia und Eno dabei, aber so heiter, so gelassen aus den elektronischen Ärmeln geschüttelt, dass die Strahlkraft von SPELLS & DAUBS einfach noch eine Spur aufregender leuchtet! Wundersames Getrommel auch, manchmal bis zum Horizont!

 

geschrieben von Michael Engelbrecht


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