Manafonistas

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Painting with John (season 1)

 

Man darf staunen, denn: wer hätte das gedacht?! Anfangs eine Bilderbuchkarriere, dann persönliche Tragik, und später  der Meister von unverhofften Comebacks?! Man  staunt, und möchte eigentlich noch einmal am Anfang beginnen, und die erste Platte der Lounge Lizards auflegen. Eigentlich wollte sie Brian Eno produzieren, er lebte  in New York, und hatte an diesem schrägen Salon-Jazz wohl einen Narren gefressen. Aber es kam anders. John Lurie – Saxophonist, Sänger, Schauspieler, Regisseur und Maler – ist ein wahrer Allrounder. Am bekanntesten ist er sicher für die Gründung und Leitung der Lounge Lizards, seine Auftritte in Jim Jarmuschs Stranger Than Paradise und Down by Law und seine hervorragende Fernsehserie Fishing with John, in der er verschiedene berühmte Freunde (Jarmusch, Tom Waits, Matt Dillon, Willem Dafoe und Dennis Hopper) auf Angeltouren rund um die Welt mitnahm.

 

Nur wenige Künstler hatten eine so vielseitige und überraschende Karriere wie Lurie, und so war sein Verschwinden von der nationalen Bühne in den letzten zwei Jahrzehnten aufgrund von Kämpfen mit chronischer Borreliose und Krebs ein großer Verlust für die Welt der Musik, des Fernsehens und des Films.

 

Das alles ändert sich jedoch am 22. Januar, wenn Lurie mit HBOs Painting With John ins Rampenlicht zurückkehrt, einem geistigen Nachfolger von Fishing with John, in dem er über verschiedene Themen nachdenkt, während er seltsame, bunte, mosaikartige Gemälde mit Titeln wie „Er war seltsam und seine Wohnung auch“, „Diese Party ist scheiße“, „Nimm deinen Fuß vom Tisch“ und „Bobo glaubte nicht an die Evolution, also verwandelte Gott ihn in eine Blume“ malt. Wie ihr Vorgänger zeichnet sich auch die neue Serie, die von Lurie geschrieben und inszeniert wurde, durch ihre eigenwillige Struktur, Atmosphäre und Persönlichkeit aus, die ganz und gar von ihrem Star ausgeht.

 

Jede der 20-minütigen Folgen zeigt eine Momentaufnahme von Lurie, wie er an seinem mit einer Lampe beleuchteten Schreibtisch in seinem Haus auf der Karibikinsel mit Pinsel und Farbe Tableaus malt. Doch dieses Unterfangen ist genauso wenig darauf ausgerichtet, dem Zuschauer das Malen beizubringen, wie Luries frühere Sendung darauf abzielte, die Zuschauer über den Umgang mit Rute und Köder zu belehren. Vielmehr handelt es sich um eine jazzige, komische Show, in der Lurie eine andere seiner zahlreichen fesselnden Gestalten zeigt: die des entspannten, lebendigen Geschichtenerzählers. Übrigens: das erste Album der Lounge Lizards wurde letztendlich von Teo Macero produziert.

 

 

 

geschrieben von Michael E. und Will Sch.

 


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