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Höllental (ZDF-Mediathek)

 

Eine hervorragende sechsteilige Serie habe ich in den letzten zwei Tagen gesehen, die ich auch nicht nachdrücklich genug empfehlen kann: Die „True Crime“-Serie Höllental ist seit ein paar Tagen in der ZDF-Mediathek zugänglich.

Ich empfehle, möglichst keine Besprechungen (mit Inhaltsangaben und dergleichen vorab zu lesen; manche nehmen da schon sehr viel vorweg), aber wer dennoch etwas Zusatzinfo braucht, hier ein paar Zeilen aus dem Film-Dienst:

 

Eine Serie über den realen Kriminalfall rund um das Verschwinden und die Ermordung der neunjährigen Peggy Knobloch im Mai 2001 in der bayerischen Stadt Lichtenberg. Die sechs Folgen rekonstruieren das Geschehen mittels akribischer Recherche, eines ausgeklügelten Sounddesigns und ohne Wertung oder Effekthascherei, sodass sich eine außergewöhnliche narrative Sogkraft entfaltet.

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„Dieser Fall hat eine unglaubliche Dimension: er ist für mich wie ein großes dunkles Loch, wie so ein Grauen, in dem es keinen Halt mehr gibt. […] “, sagt Marie Wilke am Ende der vierjährigen Produktionszeit von „Höllental“. Dafür hat sich die Regisseurin von „Staatsdiener“ und „Aggregat“ akribisch durch 80.000 Seiten Aktenmaterial gekämpft, aus dem der Dokumentarfilmer Thomas Heise als Sprecher aus dem Off vielfältig zitiert und zugleich permanent neue Assoziationsketten schafft. „Ich habe von vornherein keinen investigativen oder journalistischen Ansatz verfolgt. Für mich war Errol Morris’ „Der Fall Randall Adams“ ein wesentlicher Einfluss für dieses außergewöhnliche Serienprojekt, das in meinen Augen von konzentrischen Kreisen geprägt ist: Das macht den Fall Peggy Knobloch einerseits so spannend, andererseits auch so reich an Widersprüchen.“

[…] Allein mit Schwarzblenden, statisch kadrierten Befragten und einer klugen Auswahl aus knapp zwanzig Interviewpartnern […] gelingt der Serienmacherin eine narrative Wucht, die sich konsequent durch alle Teile zieht.

 

Das multiperspektivisch in Szene gesetzte True-Crime-Format, das im Gegensatz zu amerikanischen Pendants ohne Bilder aus dem Gerichtssaal oder von Verhören auskommen muss, rekonstruiert die Rätsel um das Verschwinden und den Mord sehr differenziert. Dabei werden etwa auch die Fehler innerhalb des Polizeiapparates wie in der Justiz ungeschönt aufgezeigt und zur Diskussion gestellt. Ohne Reenactments wie etwa bei Errol Morris und im Wechsel aus Originalschauplätzen, Fotos, Polizeiakten, Zeitungsberichten und sparsam verwendetem Archivmaterial erbringt die Regisseurin den Beweis, dass nichts spannender als die Realität ist und im Grunde jeder Interviewte inzwischen mit einem eigenen Wahrheitsbegriff operiert. Das führt am Ende zu einem regelrecht labyrinthischen Erzählbogen, der mehr Fragen als Antworten generiert und zugleich ungemein fesselt.

Ingo J. Biermann

 


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