Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

 
 
 

Die Szenerie erweckt den Eindruck einer skurrilen Zwischenwelt aus Osteuropa und England. Dort, im Hinterland, eine reine Frauenwelt. Es gibt wissenschaftliche Schmetterlingsforschung, und lesbische Lieben, die sich ganz und gar um Kontrolle und „surrender“ bewegen: willkommen in der SM-Welt! Peter Stricklands Kinofantasie ist ein Meisterwerk des erotischen Kinos. Aus guten Gründen: das Geschehen wird eingefangen in stilisierten, manche mögen sagen, manirierten Bildern. Aber diese Formensprache führt nicht zu einer Erstarrung, in der alle Erotik bloss fein gefilmte Pose oder dummes Zeug ist (man denke, bitte nur kurz, an Hamiltons pastell eingefärbte „soft pornos“, oder den SM-Hirnfick mit den „shades of grey“, dieser Biedermann-Variante von Fesselung und Unterwerfung). Keine Szene ist überflüssig, jede erzählt reichhaltig, über den Rand der Leinwand hinaus, ins Terrain des eigenen kreativen Unbewussten hinein. So ereignet sich eine filmische Tranceinduktion, welche durch die Langsamkeit der Bildführung, die Ruhe der Dialoge (selbst da, wo eine Stimme ins Flattern und Zittern gerät), und die Musik von Cat’s Eyes, mit Holzbläsern, ätherischem Gesang (ein Hauch der Cocteau Twins) und ziselierter Elektronik, verstärkt wird. Einmal, aus dem Wald heraus, abseits der schönen Ordnung der katalogisierten Schmetterlingswelt, beginnt ein Crescendo animalischen Sirrens, das uns von allen Seiten umrauscht. Verführerischer kann Kino kaum sein. And it’s all about love. 

This entry was posted on Freitag, 6. Januar 2017 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

1 Comment

  1. Michael Engelbrecht:

    Im Kern ist es eine wunderbar erzählte Liebesgeschichte, für die SM nur einen sehr fragilen Rahmen liefert.


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